· 

Von nix kommt nix

In den letzten Monaten wurde es etwas ruhig auf meiner Seite. Ich war beschäftigt und zwar mit zunehmen. Ja nach einer wirkungsvollen Diät Ende 2014 bis Mitte 2015 hatte ich 15 Kilo abgenommen und war ganz stolz auf mich. Tja und dann kam wieder der normale Alltag und schwupps waren diese 15 Kilo plus X wieder drauf. So eine Sch.... Naja und das anfuttern kostete Zeit. Und vor allem das Ärgern darüber....

 

Ich hatte aber auch ständigen Heißhunger auf Süßes oder Fettiges...am bestens beides zusammen. In der Mittagspause habe ich mir teilweise drei Stück Kuchen geholt und verspeist. Oder eine ganze Tafel Schokolade in Rekordzeit vernichtet. Nichts war vor mir sicher...naja...außer vielleicht Obst und Gemüse.

 

Ich habe schon Anfang des Jahres gemerkt, dass irgendwie versuche meine Probleme und Emotionen weg zu essen. Meine Laune wurde dadurch aber ja auch nicht besser...und so begann ein Teufelskreis.

 

Eigentlich wollte ich schon vor sechs Wochen in EMDR zum dem „Ess-Problem“ machen. Aber leider ist fiel der Arzttermin aus und so saß ich weiter allein mit dem Problem da. Der nächste Termin war nicht in Sicht.

 

Mir fielen in der Zeit zwei Bücher in die Hände. Das eine heißt „Die Fettlöserin“ von Nicole Jäger und andere „Sag, was du isst und ich weiß, was du fühlst“ von Markus Lehnert.

„Die Fettlöserin“ habe ich mir als Hörbuch angehört und war ziemlich angetan davon. Die Autorin hat in ihrer Spitzenzeit 340 Kilo auf die Waage(n) gebracht und hat sich inzwischen halbiert. Sie hat das Hörbuch selbst gesprochen, was es auch ungemein authentisch macht. Ihr Weg und vor allem ihre Tips für eine funktionierende Diät haben mich ziemlich inspiriert. Sie hat beschrieben wie schwachsinnig all die Trend-Diäten sind und warum man damit nur scheitern kann.

 

Mein Fazit aus dem Buch: Wichtig ist die richtige Motivation und Einstellung zum Abnehmen sowie eine ausgewogene und gesunde Ernährung mit Auge auf den persönlichen Kaloriengrundbedarf. Sie hat auch noch Sport als sehr wichtige Säule angeführt. Und ist ja logisch...wenn man beim Sport zusätzliche Kalorien verbrennt kann das ja nur gut sein.

 

Nach dem Hören des Buches blieb mir ein Satz irgendwie massiv in Erinnerung: Von nix kommt nix. Niemand nimmt für einen ab. Und die überflüssigen Pfunde werden auch nicht im Schlaf plötzlich von alleine weggehen...alles Illusion. Die einzige, die etwas an dieser Lage verändern kann bin ich. Und ich kann mich jeden Tag neu entscheiden, ob ich weiter den Rahmen sprengen will und sehenden Auges auf die 110 Kilo zurenne...oder ob ich nicht doch die Vision einer einigermaßen normalen Figur um die 80 Kilo verwirklichen möchte. Ich habe die Wahl....

 

Mein eigentliches „Umdenken“ kam aber mit dem zweiten Buch. Das mein Essverhalten irgendwie mit den verdrängten Problemen der Traumatisierung zu tun hat war mir ja irgendwie schon immer klar. Wie sehr wurde mir aber erst durch das Lesen von „Sag, was du isst und ich weiß, was du fühlst“ klar. Der Autor beschreibt sieben verschiedene Ernährungsgruppen mit bestimmten Vorlieben z.B. nach Kohlehydraten, Eiweißen oder fetthaltigen Lebensmitteln. Er beschreibt, welche Emotionen sich hinter der Vorliebe für gewisse Lebensmittel verbergen.

Beim Lesen der ersten drei Ernährungsgruppen klingelten bei mir alle Alarmglocken. Ich fand mich in den Beschreibungen der dazugehörigen Emotionen so oft wieder. Am passendsten ist für mich aber die Ernährungsgruppe mit den fetthaltigen Lebensmitteln. Dort wird explizit auch erwähnt, dass traumatische Erfahrungen, vor allem in der Kindheit, in Zusammenhang mit dieser Ernährungsgruppe stehen. Es geht viel um das Gefühl der Sicherheit. Durch „Gewicht“ kann man sich förmlich eine Mauer um sich herum aufbauen.

 

Ich kann hier leider nicht die kompletten Beschreibungen der Ernährungsgruppen wiedergeben...ich kann nur sagen, dass ich das Buch an einem Tag förmlich „verschlungen“ habe und mir viele viele Lichter aufgegangen sind. Fast wie bei einem Alkoholiker, dem klar wird, dass er ein Alkoholproblem hat. Wie fest Emotionen und Essen miteinander verbunden sind war mir vorher nicht klar.

 

Seit einer Woche esse ich nun etwas anders. Ich verbiete mit nix oder so...ich esse einfach bewusster und versuche mich nicht mehr so einseitig zu ernähren. Generell esse ich weniger Fett und setze mehr „gesundes Zeug“ auf den Speiseplan. Es fühlt sich alles etwas anders an als vorher. Und langsam purzeln tatsächlich wieder erste Pfunde.

 

Wenn ich Heißhunger bekomme frage ich mich nun also zuerst was wirklich los ist. Auch auf die Gefahr hin, dass es mit Tränen in den Augen endet...

 

 

 

 

 

 

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0