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Starre...

Ich hatte gestern eine der eindrucksvollsten EMDR-Sitzungen meiner ganzen Therapiezeit. Ich habe ja zur Zeit so viele körperliche Probleme. Unter anderem ja heftige Rückenschmerzen. Ich berichtete meinem Arzt, dass es sich wie eine komplette körperliche Starre anfühlt. Das lies ihn aufhorchen. Starre und Trauma...der Zusammenhang fiel selbst mir dann auf. Wir nahmen diese Ausgangssituation und bearbeitete dies mit EMDR. 

 

Erst blockte ich noch etwas, weil ich wohl merkte wie intensiv dieses Thema wird. Doch als ich mich darauf einließ kam es zu einer regelrechten Welle der Verarbeitung. 

 

Neben den körperlichen Problemen steckte ich zur Zeit ja auch in den Traumagefühlen fest. Sie waren da aber ich wollte sie aus Angst nicht wahrnehmen. Da war die Angst diese Gefühle nicht aushalten zu können. Ansatzweise kamen diese Gefühle im EMDR auch hoch. Das starke Gefühl des "benutzt werden" oder die Angst waren plötzlich so deutlich da. 

 

Wir spürten dann auf, dass ich nicht nur das Problem habe, dass die Gefühle noch so stark vorhanden sind wie damals, sondern dass auch mein Körper noch denkt, die Situation ist jetzt noch da. Mein Körper kann nicht differenzieren, dass ich heute physisch in Sicherheit bin. Er schaltet praktisch alle "Hilfsmechanismen" die ich früher ja bereits als Kind entwickelt habe wieder ein. Mir ging es bereits als Kind körperlich immer sehr schlecht. Ich litt unter ständiger Übelkeit und Kopfschmerzen und wurde von Arzt zu Arzt geschleppt ohne das man etwas herausfand. Irgendwann wurde es dann einfach "normal" für mich. Das ich bereits als Kind "irgendetwas" sehr zum kotzen fand wurde nicht herausgefunden. Und sagen konnte ich damals auch nicht. Gestern habe ich im EMDR einen Satz gesagt, der mich selbst sehr aufschrecken lies. Ich sagte "Wenn ich etwas gesagt hätte, hätte es ja meine ganze Familie zerstört". Der Satz fühlte sich so fremdgesteuert an, obwohl ich ihn für so "wahr" hielt. Der Realitätscheck ergab, dass aber im Grunde nur das "Reden" mich vor vielen weiteren schlimmen Jahren bewahrt hätte. Es hätten Konsequenzen gezogen werden können. In diesem Moment war ich glaube ich endlich an dem Kern des Gefühls der Hilflosigkeit, das ich schon so lange Zeit bearbeite. Aber als Kind hatte ich keine anderen Optionen. Vor allem wenn der Missbrauch und die Gewalt aus der eigenen Familie heraus geschehen. 

 

Seit der Sitzung gestern entspant sich mein Körper immer mehr. Der Rückenschmerz wird langsam weniger. Die Starre verwandelt sich langsam in Entspannung. 

 

Beim Schreiben merke ich wie schwer es eigentlich ist, so eine EMDR-Sitzung wiederzugeben. Es passiert dabei so verdammt viel im Unterbewusstsein. Aber die Veränderungen, die dabei in so kurzer Zeit erreicht werden können sind phänomenal. Ich bin so froh und dankbar dieser Methode und diesem Arzt begegnet zu sein...

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