· 

Aufgewacht

Die letzten Wochen und Monate liefen eher suboptimal. Ich schleppte mich von Krankheit zu Krankheit. Vor allem die Arbeit machte mir sehr zu schaffen. Innerhalb der Krankheitsauszeiten konnte ich zwar immer wieder etwas Kraft schöpfen, aber das war mit Beginn der Arbeit wieder extrem schnell verflogen. Ich habe lange Zeit die Ursache für die Probleme bei mir und meiner Vergangenheit gesucht. Diese Woche bin ich aber förmlich aufgewacht. 

 

Ich arbeite seit drei Jahren in einer  Behörde und habe bereits vor einem Jahr gemerkt, dass der Job, den ich habe mich auf Dauer nicht glücklich macht. Es läuft in vielen Bereichen einfach sehr schlecht. Ich nahm erste Kontakte zu einem neuen Dienstbereich auf. Im Februar ergab sich dann durch ein zufälliges Gespräch eine echte Perspektive. Eine Kollegin wollte unerwartet in Frühpension gehen und ich genau auf diesen Posten wollte ich schon sehr mehreren Jahren. Der Chef der Abteilung sprach mich direkt an, ob ich hinkommen will. Ich sagte sofort mein Interesse zu und der Fairnesshalber sprach ich mit meinem Chef auch darüber. Die eigentlichen Gründe, also meine Arbeitsunzufriedenheit, verschwieg ich dabei aber. Nun ist es aber so, dass ich das was ich mache sehr gut mache. Und mein Chef mich daher nicht gerne ziehen lassen möchte. Er versuchte mich mit vielen Mitteln zu überreden zu bleiben, doch das wollte ich nicht. Er sah es dann auch eigentlich ein, mauerte aber anschließend wenn es um meine Versetzung ging. Jetzt geht die Kollegin diesen Monat in Pension und meine Behörde sitzt meinen Wechsel einfach aus. Im schlimmsten Fall müsste ich vielleicht noch ein Jahr warten. Diese Information habe ich diese Woche bekommen. Das schockierte mich, aber weckte mich vielleicht auch ein wenig auf. Ich begann hinzusehen, was mich eigentlich so fertig macht an meiner Arbeit, dass ich immer wieder krank werde. Ich suchte die Probleme zunächst nur bei mir und wurde aber nicht richtig fündig.

 

Nach der letzten Dienstbesprechung mit meinen Kollegen fiel allerdings der Groschen. Alle meine anderen Kollegen liefen ebenfalls auf dem Zahnfleisch. Die Krankenausfälle in unserer Abteilung sind extrem hoch und auffallend. Ich habe nach einem Grund gesucht. Als ich gestern die Tagesordnung für eine bevorstehende Sitzung durchging fiel mir auf was das Problem ist. Wir werden Zuge.... mit zusätzlicher Arbeit. Die Kollegen, die gesundheitliche Probleme haben, sind von ihrem Naturell aber so, dass sie immer gute Arbeit abliefern wollen. In Anbetracht der schieren Aufgabenvielfalt ist das aber gar nicht mehr zu schaffen. Die Personaleinsparungen der letzten Jahre zollen da ihren Tribut. Gründliches Arbeiten ist bei der Menge nicht mehr drin. Auf Dauer macht einen das total mürbe, Und an dieser Stelle kommt erst der Trauma Aspekt bei mir ins Spiel. Sofern ich das Gefühl von Hilflosigkeit bekomme, fängt mein Körper an zu spinnen. Statt mich durch Taten aus der Situation zu lösen somatisiere ich um ihr zu entgehen. Das habe ich bereits als Kind so gelernt. Nur heute will ich das nicht mehr. Meine Gesundheit ist mir dazu zu wichtig. 

 

In der jetztigen Lage möchte ich aber auch meinen "guten Ruf" nicht riskieren. Ich habe mir durch meine Arbeitsweise bei anderen Abteilungen einen guten Ruf erarbeitet. Den möchte ich definitiv nicht durch "dauerkranksein" verlieren. Aus diesem Grund kann ich momentan nur in die "Offensive" gehen. Nur ich kann mir jetzt helfen. Ich gehen den "gewagten" Schritt und werde sehr offen und deutlich mit meinem Chef reden. Ein NEIN zu der jetzigen Situation sagen, Anschließend muss ich sehen, dass ich körperlich wieder förmlich wieder "auf die Beine" komme. Mit einem anschließenden Urlaub hätte ich vier Wochen Zeit dafür. Zeit um aus der lähmenden Starre rauszukommen. Und wieder zeigt sich, wie "einfallsreich" ein Körper sein kann. Ein Bandscheibenvorfall ist ja das deutlichste Zeichen sich nicht mehr "bewegen" zu können. 

 

Nun springe ich in das eiskalte Wasser und versuche einen anderen Weg zu gehen. Ich hoffe sehr er funktioniert....