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Die Angst ist freigelegt

Ich fühle mich heute so gut wie seit langem nicht mehr....vielleicht sogar wie noch nie... Ein gewisses Gefühl der Entspannung und Freiheit erfüllt mich. Vielleicht ist Ausgeglichenheit auch das richtige Wort dafür. Die letzten Wochen waren so intensiv. Ich glaube aber ich habe das Ziel erreicht. Ich habe die Angst freigelegt. Den Schmerz zugelassen. Die ungeweinten Tränen endlich geweint. Ich habe angefangen zu sprechen. Ich FÜHLE einfach endlich. 

 

Die Angst die mein Leben schon begleitet liegt nun offen da. Ich habe in all den Jahren die unterschiedlichsten Strategien angewandt um die Angst zu verleugnen, unterdrücken oder vor ihr wegzulaufen. Hauptsache keinen Kontakt damit bekommen. Das erste Gedicht, dass ich im Alter von 12/13 geschrieben habe handelte von der Angst. Nur wie sollte man damit umgehen, wenn man sie nicht in Worte fassen konnte. Nur der Körper konnte die Angst ausdrücken. 

 

Ich musste als Kind verdammt viel aushalten. Neben dem Missbrauch hat auch die Vernächlässigung stark mit der Angst zu tun. In den letzten EMDR-Sitzungen tauchten ja Bilder meines Kinderzimmers bzw. des Zimmers auf, in dem ich die ersten Jahre verbracht habe. Ich hatte mein Bett bis ich ca. 3 Jahre alt war im Zimmer meiner Erzeuger. Allein wenn ich an diesen Raum denke schlägt mein Herz schon schneller. Ich verbinde nichts Gutes damit und genau daher kommt die Angst. Es ist eine so existentielle Angst und sie war immer da. Wie das Leben ohne diese Angst ist weiß ich gar nicht. Allerdings habe ich den letzten zwei Tagen einen kleinen Vorgeschmack bekommen. Es fühlt sich einfach freier an.  Als Kind habe ich diese Phase zwar körperlich überlebt....die Gefühle spalteten sich jedoch von mir ab. Ich hole sie mir nun zurück. 

 

Und dass ich das alles als Kind überlebt, habe gibt Kraft das heute auch auszuhalten. Ich bin nicht mehr allein im Dunkeln. Ich muss nur noch einmal hingehen und mir meine Gefühle zurückholen! Damit ich Dunkelheit ertragen kann!

 

Nun macht es auch Sinn dass ich den letzten Wochen immer Nachts die Symptome hatte. Es hat mich da eingeholt wo es entstanden ist. An den letzten zwei Abenden merkte ich die Angst deutlich als ich im Bett lag. Ich konnte sie aber aushalten bzw. erstmal nur wahrnehmen.  Morgen habe ich wieder einen EMDR-Termin und ich will an/mit der "Dunkelheit" arbeiten. Und ich werde es aushalten!

 

Heute ist mir auch der Song "Gebrannte Kinder" von Wirtz wieder in den Sinn gekommen. Ich habe bei YouTube ein besonderes Video dazu gefunden. Zum Glück erst heute. Der Song beschreibt so krass was die Gewalt den Kindern antut. Damit ist körperliche als auch seelische Gewalt gemeint. Es zerstört förmlich Leben!

 

Ich habe trotz aller widriger Umstände das Potential gehabt mir ein vernünftiges Leben aufzubauen. Es stand oft auf dem Spiel aber alles ist gut geworden. Die Angst hat mich einen Job wählen lassen der mir "Sicherheit" gab bzw. gibt. Ich kann zwar nicht gut reden...bin aber kreativ und lösungsorientiert. Auch dazu hat die Angst beigetragen. Ich bin sehr misstrauisch...aber habe auch ein gutes Gespür für andere Menschen. Auch das verdanke ich der Angst. Die Angst wollte mich vielleicht nur schützen....hat es damit aber etwas übertrieben!!!!!!!