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Wutbrief

Ich kann die heutige Stunde bei der Osteopathin gerade nicht ausführlich beschreiben. Aber es ging um Gefühle...und um Wut. Mir wurde klar, dass ich Wut nie zeigen durfte. Und so fraß ich sie in mich rein und zerstörte mich fast selbst. Damit ist heute zum Glück Schluss. Ich habe auf der Fahrt nach Hause überlegt wie ich mit der Wut umgehen kann. Eine Konfrontation ist zwecklos... von daher war plötzlich das Naheliegende offensichtlich. Ich kann heute Worte nutzen. So entstand gerade der nachfolgende Wutbrief....und er hat genau hier seinen richtigen Platz:

 

 

 

"Meine Waffe ist das Wort. Nach 35 Jahren gibt es keine andere Möglichkeit sich gegen euch zu wehren. Meine Wut und meine Trauer habt ihr nie erlaubt. Ich sollte funktionieren wie ein dressierter Affe und sollte keine Schwierigkeiten machen. Wie es mir dabei geht hat euch nicht interessiert. Wie ich als zweijähriges Kind die Einsamkeit und eure unbeständigen Launen ertragen konnte hat euch nie interessiert. Ich durfte keinen Ärger machen. Meine Bedürfnisse waren euch egal. Wichtig war es nur nach außen zu glänzen. Später wurde jede gezeigte Wut nur mit noch mehr Ärger bestraft. Als logische Konsequenz verdrängte ich all diese Gefühle und wurde krank. Aber auch das machte euch nicht stutzig. Wie sollte ich ohne Worte sonst ausdrücken wie sehr ich alles zum Kotzen fand…. Und da sich auch dadurch nichts veränderte richtete sich all die Wut plötzlich gegen mich selbst. Von euch Schutz und Sicherheit zu erwarten war wohl zu viel verlangt. Ihr hattet keinen blassen Schimmer wie es mir geht…denn ihr wolltet es gar nicht wahrnehmen. Es hätte euer Leben nur komplizierter gemacht. Danke auch! Ihr habt es geschafft, dass die Wut mich fast aufgefressen hat. Sie hätte mich fast zerstört. Sie hat dazu geführt, dass ich Menschen die es gut mit mir meinten sehr verletzt habe. Das Beste in meinem Leben war die Entscheidung nichts mehr mit euch zu tun haben zu wollen. Ihr habt mir so lange einreden wollen wie „gut“ ihr es doch mit mir gemeint habt. So lange, dass ich es fast selbst geglaubt habe. Aber so geht man mit einem Kind einfach nicht um. Das habe ich nicht verdient! Ihr könnt mich heute nicht mehr verletzten. Ich habe keine Angst mehr vor euch. Ihr habt keine Macht mehr über mich. Ich bin erwachsen und kann mich wehren. Allerdings wäre jede Diskussion mit euch zwecklos. Ihr würdet lügen und bagatellisieren so wie damals, als ich es gewagt habe das alles anzusprechen. Vielleicht hattet ihr wirklich eure „Gründe“ so zu handeln…und irgendwie glaube ich auch, dass ihr mich irgendwie geliebt habt…allerdings machten es eure eigenen Probleme wohl anscheinend schwer das vernünftig zu zeigen. Im Gegensatz zu euch habe ich es geschafft die beschissene Vergangenheit hinter mir zu lassen und habe heute die Familie die ihr mir nie geben konntet. Ich kann Liebe geben und empfangen. Das was euch nie möglich war!!!! Ihr seid mir nun egal. Denn so geht man nicht mit einem Kind bzw. einem Menschen um!!!!!!"