· 

Wertlos die Zweite

Die EMDR Sitzungen sind zur Zeit immer ein Überraschungspaket. Im Gegensatz zu früher gehe ich zur Zeit meistens ohne ein spezielles Thema zu den Stunden. Aber irgendwie kommen wir dann doch tatsächlich immer wieder zu genau zu den fehlenden Puzzelteilen. Heute ging es nochmal um das Gefühl der Wertlosigkeit. Bereits als wir den Missbrauch bearbeitet haben, war das schon mal ein sehr wichtiges Thema. Ich hätte daher nicht erwartet, dass ich nochmal doch recht emotional mit diesem Gefühl in Kontakt kommen könnte. Diesmal ist es aber eher mit Erinnerungen an meine "Familie" verbunden. Meine Mutter war sehr dominant und Sprunghaft in ihren Emotionen. Meine persönliche Entwicklung stand immer im Spannungsfeld der unbeständigen Reaktionen ihrerseits. Ihre wütende und gewalttätige Seite gab mir so oft das Gefühl wertlos zu sein. Und das ist ein Gefühl, dass man auch nicht durch gutes Zureden der Außenwelt leicht verändern könnte. Klar bin ich für meine neue Familie und meine Freunde oder für meine Arbeitskollegen wertvoll. Aber das meine ich nicht. Und da wurde es in der EMDR-Stunde fast etwas philosophisch. Es geht um das innere Gefühl etwas wert zu sein. Wie gibt man sich selbst dieses Gefühl wenn es sich nie entwickeln konnte. Sich selbst etwas wert sein...sich selbst wichtig nehmen...natürlich ohne abzuheben. 

 

Ich war in der Stunde sehr ratlos wie sich ein solches Gefühl nur entwickeln soll. Auf der Fahrt nach Hause kam mir letztlich nur ein erster Ansatz: Die Stimme, die mir immer wieder sagt, dass ich wertlos sei, muss einfach leiser werden oder im besten Fall ganz verstummen. Erst dann kann die zarte Pflanze des Gefühls "WERTVOLL" zu sein, wachsen.