Der richtige Fokus

Eigentlich wollte ich über das Wochenende ja den „Weg ins Trauma“ niederschreiben. Aber stattdessen habe ich lieber das neue Buch von Jan Becker „Entspannt schaffst du alles“ gelesen. Jan Becker ist wohl ein relativ bekannter Hypnotisieur / Mentalcoach. Er  tritt des öfteren im TV auf und hat mehrere Bücher geschrieben. Das neue Buch ist aus einer persönlichen Krise heraus entstanden. Obwohl er alle guten Tipps und Tricks kennt ist er Opfer des Stresses geworden und sein Körper hat irgendwann aufs Heftigste gestreikt. Da half ihm im ersten Moment all sein Wissen nichts mehr. Er hat es aber geschafft sich in ganz kleinen Schritten selbst zu helfen. Diese Schritte beschreibt er in dem Buch ziemlich anschaulich. Er beschreibt wie sehr es auf die eigenen Gedanken ankommt und wie man damit sein Wohlbefinden und seine Stimmung beeinflussen kann. Ich habe schon einige Bücher zu dieser Thematik gelesen. Und was im ersten Moment immer logisch klingt, lässt sich oft nicht in den Alltag einbauen. 

 

Diesmal habe ich das Buch jedoch sehr intensiv gelesen und auch immer mal wieder zur Zeit gelegt und mich selbst reflektiert. Gestern Abend kam mir dann die Idee, (erstmal) nicht dem Weg ins Trauma zu beschreiben. Sondern was mir geholfen hat, die notwendige Stärke zu entwickeln den Weg der Heilung zu gehen. Ich will damit den Fokus von den  „schlechten Erlebnissen“ in meiner Kindheit hin zu den  „guten und und stärkenden Fähigkeiten“ die sich trotz allem ausgebildet haben. Diese Frage ist deutlich schwerer zu beantworten. Aber ich will es versuchen. Viele Menschen halten es für naiv oder ganz unmöglich in schlechten Dingen etwas gutes zu erkennen. Wenn einem das aber gelingt, ist man dem inneren Frieden wahrscheinlich ein ganz schönes Stück näher gekommen!

 

Wenn ich an das Thema denke fällt mir zuerst einmal die starke Vernachlässigung ein. Ich bin dadurch unheimlich früh selbsständig geworden. Ich habe dadurch z.B. bereits früh gelernt für mich alleine zu kochen, da war ich ca. 9 Jahre alt. Und ich habe dadurch eine einigermaßen gute Allgemeinbildung. Ich habe nämlich schon früh einen eigenen Fernseher bekommen und habe mit Vorliege immer Quizshows geschaut. Jeopardy war meine Lieblingssendung. Und ich habe meine Leidenschaft für Büchereien entdeckt. Ich war ganze Nachmittage lang immer in der Stadtbibliothek und habe dort ewig gelesen und geschaut. Immer wenn ich heute in einen Buchladen kommen habe ich ein wohliges Gefühl. Ich habe es grds. Gelernt mich alleine zu beschäftigen. Auch wenn das später eher schwierig wurde.

 

Ich habe auch viel Kreativität entwickelt. Um die Einsamkeit besser zu ertragen habe ich irgendwann angefangen mir eine Phantasiewelt zu erschaffen in der alles anders ist. Ich habe stundenlang im Bett gelegen und mich in meine eigene Welt geträumt. Es war ein Überlebensmeachnismus, der mir später beim Erreichen meiner bisherigen Ziele immer wieder geholfen hat. Jan Becker würde es wahrscheinlich als Paradebeispiel für Suggestionen sehen. Im Grunde habe ich heute das, was ich mir jahrelang vorgestellt habe erreicht! Aber das Träumen lasse ich mir nicht mehr nehmen. Heute habe ich das hauptsachlich noch in Verbindung mit Urlaubsreisen. Ich visualisiere mir meine Ziele und arbeite daraufhin.

 

Im Grunde hat sich auch eine Art Zielstrebigkeit entwickelt. Im Alter von 14 Jahren kam mein Berufswunsch auf. Und obwohl ich immer relativ schlecht in der Schule war…starte ich ab dem Zeitpunkt voll durch, weil ich ein Ziel vor Augen hatte, dass mich aus meiner Situation befreien konnte. Ich wurde richtig gut in der 9. und 10. Klasse. 

 

Der Gewalt und dem unberechenbaren Verhalten meiner Mutter etwas abzugewinnen ist schon etwas schwerer. Ich habe dadurch gezwungener Maßen ein gutes Gespür für andere Menschen und ihre Stimmungslage entwickelt. Ich glaube ich beobachte Menschen dadurch etwas anders. Das kann in größeren Menschenmengen auch schnell überfordern. Aber im meinem Job war/ist diese Gabe eigentlich sehr positiv. Ich achte auch auf Sicherheitsaspekte wie Abstand und Distanz ganz anders. Wenn mir, vor allem unbekannte Menschen, zu nah auf die Pelle rücken schaffe ich ganz schnell wieder Distanz. Wahrscheinlich ist meine Gefahr erneut Opfer zu werden eher geringer als bei Menschen ohne diese Erfahrung.

Ich weiß zudem wie wertvoll Vertrauen in andere Menschen ist, aber ich trauen jedem Menschen potentiell zu, dass er dieses Vertrauen auch brechen kann. Ich bin vertraue sozusagen nicht naiv. Das ist etwas schwer zu beschreiben….vielleicht könnt ihr es aber ja nachvollziehen! So ein bißchen nach dem Motto: Wer das Böse kennt, weiß das Gute zu schätzen. 

 

Jetzt wo ich den Zugang zu meinen Gefühlen wiedergefunden habe, weiß ich wie exitentiell wichtig Emotionen für das Leben sind. Und das lasse ich mir nie wieder nehmen! 

 

Dadurch, dass ich es geschafft habe mich 2012 komplett von meinen Erzeugern zu lösen weiß ich, dass ich auch alleine überleben kann. Auch wenn das immer anders suggeriert wurde. Ich bin ein eigenständiger Mensch. 

 

Die Königsdisziplin ist es allerdings dem sexuellen Missbrauch etwas „Postives“ abzugewinnen. Das stellt mich vor eine ganz schön krasse Aufgabe... 

 

Fange ich mal einfach an: Ohne den Missbrauch würde es diesen Blog nicht geben. Und Dank einiger ganz lieber Rückmeldungen weiß ich, dass er für einige Menschen sehr hilfreich ist. Alleine nur einem Menschen damit zu helfen ist schon etwas „Positives“.  Als Zweites fallen mir zwei ganz liebe Menschene in, denen ich sonst niemals begegnet wäre. 

 

Hmm vielleicht habe ich dadurch...und durch den Weg der Heilung...eine ungeahnte Stärke gewonnen „schlechte Dinge“ auszuhalten. 

 

Und natürlich etwas sehr Positives: Ich habe überlebt. Es gibt leider viele Kinder die Missbrauch mit ihrem Leben bezahlen….ob nun bei der Tat oder Jahre später nach der Tat als Erwachsene durch Selbstmord…..

 

Diese Erkenntnis muss ich nun erstmal sacken lassen…. stay tuned…..