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Frei sein!!!

Gestern hatte ich wohl wieder eine dieser Schlüssel-EMDR-Sitzungen. Es gab in all den Jahren immer wieder diese Stunden...die anschließend alle Sichtweisen neu geordnet haben. Und so eine Stunde durfte ich gestern wieder erleben.

 

Normalerweise nimmt man ja eine „bewusste“ negative Erinnerung und bearbeitet dies mit EMDR. Zu meinem gestrigen Thema hatte ich nicht die EINE Erinnerung. Es ging um das fehlende Vertrauen in mich und um das Äußern meiner Bedürfnisse. Das ich damit solche Schwierigkeiten habe/hatte liegt halt generell an der Situation in der ich aufgewachsen bin. Ich musste mich sozusagen „verstecken“ um negatives zu vermeiden.

 

Gestern half mir einmal mehr meine Kreativität weiter. Um das Video zum letzten Blogeintrag anzufertigen habe ich mir ja meine Kinderfotos angeschaut. Dabei fielen mir auch Fotos meiner Einschulung in die Hände. Und ich war einmal mehr erschrocken welch leeren Blick ich damals hatte. Wirklich fröhlich schaut zwar keiner auf den Fotos...aber mein Blick spricht Bände. 

 

Wir nahmen daher dieses Bild für das EMDR zur Hilfe um weiter an die Ursachen und Gefühle zu kommen. Und es war genau richtig. Während der Sitzung kam ich diesen alten Gefühlen richtig nahe. Mir gings schlagartig körperlich echt mies. Ich bekam kaum Luft und der Magen zog  sich zusammen. Die Traurigkeit und Einsamkeit war fast nicht auszuhalten. Ich versuchte zu begreifen was genauso schlimm war. Mir fiel irgendwann auf, dass es mir so mies ging, weil es weder im Innen (also Familie) noch im Außen (der Ort an dem ich lebte) Sicherheit gab. In der Familie konnte/durfte ich mich nicht zeigen weil es nur darum ging das ich funktionieren musste und keinen Ärger machen durfte...und im Außen war der Missbrauch. Der fand letztlich direkt in dem Gebäude, in dem ich aufgewachsen bin, statt. Das was sonst meine kleine freie Welt war, war nun auch nicht mehr Sicher. Kein Wunder das ich damit total überfordert war und erstmal alles in Krankheit umgewandelt habe. Ich konnte ja nicht sprechen. Es fehlten die Worte und das Vertrauen. Und die Schule machte es mir nicht leichter….statt mich zu freuen war es ein weiterer Ort, an dem ich nicht zeigen durfte wie es mir eigentlich geht. Böser Teufelskreis!

 

Aber Ziel des EMDR ist es ja die ursprünglich negativ besetzte Erinnerung in eine positive zu wandeln/verarbeiten. Und das gelang mir gestern in unheimlich beeindruckender Art und Weise. 

Ich suchte nach dem, was mir als Kind ggf. geholfen haben könnte. Und das fiel es mir wie Schuppen von den Augen: der Glaube daran, dass sich etwas ändern wird, war zu diesem Zeitpunkt schon da. Und noch besser...er wurde kurz darauf so krass bestätigt...das ist rückblickend  fast beängstigend. 

 

Mit 6/7 lebte ich noch in der ehemaligen DDR. Die Grenzöffnung war noch lange nicht in Sicht. Ich weiß noch, dass ich dennoch abends im Bett lag und mir wünschte, dass wir in den Westen gehen können. Weit weg von dem Ort an dem ich zu dem Zeitpunkt lebte. 

 

Und im November 1989 geschah das „Wunder“. Meine Eltern packten kurz vor der Grenzöffnung ihre sieben Sachen und fuhren mit mir und meiner Schwester nebst Mann über die Tschechei in den West-Harz. Dort lebte ein Bekannter meines Vaters. Dieser Bekannte hatte zufällig eine freie Ferienwohnung in seinem Haus und überredete meine Eltern dort zu bleiben. Soviel Negatives ich für meinen Eltern empfinde...ich habe Respekt vor diesem Schritt. So komplett neu anzufangen mit Anfang/Mitte 40 bedeutet eine Menge Mut. Sie haben fast alles zurück gelassen. Ich musste auch meinen geliebten Hund zurücklassen...wusste aber dass dieser Schritt für mich auch nur gut sein kann. Und das in dem Alter. Ich wusste aus irgendeinem Grund schon als wir losgefahren sind, dass ich nicht wieder zurückkommen werde. 

 

Die Geschichte ist eigentlich viel zu groß um sie mit wenigen Worten zu beschreiben. Aber diese prägende Erfahrung sorgte bei mir dafür, dass ich eine Art Glauben (jenseits von Religion) entwickelt habe, dass sich Dinge ändern können. Und das auch noch in ziemlich konkreter Art und Weise. Wenn ich so auf mein Leben zurückblicke, habe ich fast immer das erreicht, was mich als „innere Vision“ geleitet hat. Auch das ist etwas unheimlich. 

 

Im EMDR gestern ging es noch etwas weiter. Mir fiel auf, dass ich eine sehr gute Intuition habe. Eigentlich weiß ich immer ganz gut Situationen einzuschätzen. Ich verlasse mich manchmal einfach nur nicht darauf und dann ärgere ich mich im Nachhinein. Gerade wenn dadurch Probleme verhindert werden könnten. 

 

Ich möchte in der Zukunft mir und meiner Intuition endlich richtig vertrauen. Und ich glaube, seitdem ich die ganzen Ängste so gut verarbeitet habe, ist hierfür auch endlich die Grundlage geschaffen….!!!!

 

 

All das ist wieder in nur 30 Minuten EMDR passiert…. Das ist wirklich unglaublich. Nach der Stunde bin ich diesmal mit dem Motorrad nach Hause gefahren und es schoss mir wahrend der Fahrt immer wieder ein Wort durch den  Kopf: FREI!!!!!! Ich fühle mich endlich FREI! Das ist ein so schönes Gefühl...da kommen glatt die Tränen!!!!

 

Passend dazu mal wieder ein Video-Trip in die Jugend….