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"Nein" sagen

Bereits vor einigen Monaten haben ich einen Blog-Artikel mit dem Titel „Nein“ geschrieben. Damals hat sich dieses Wort seine Weg förmlich durch meinen Körper gebahnt. In einer Stunde bei der Osteopathin merkte ich wie dieses Wort in meinem Brustkorb und meiner Kehle förmlich stecken blieb. Gestern bin ich im EMDR bei dem „gesprochenen Nein“ angekommen. Einstieg war wieder dieses Bild von mir als trauriges Kind und der Tatsache das dort niemand war, der diese Traurigkeit gesehen hat und niemand war mit dem ich reden konnte. Auch gestern merkte ich immer wieder dieses beklemmende Gefühl im Brustkorb. Ich legte den Fokus irgendwann darauf und stellte fest, dass es weiterhin um das Thema geht sich zu äußern. Es kam wieder dieses Gefühl auf, dass ich nicht Nein sagen darf. Aber es wandelte sich eher in das Gefühl, dass es zwecklos ist überhaupt Nein zu sagen. Diese Erkenntnis katapultierte mich wieder in den Keller. Ohne die konkrete Erinnerung fühlte es sich plötzlich so an, als ob ich Nein gesagt hätte, aber dies  keine Wirkung hatte. Als ob über dieses Nein willkürlich hinweggegangen wurde. Diese Erkenntnis machte mich unheimlich traurig. Diese Grenzverletzung war so massiv. Ich brauchte ein paar EMDR Durchgänge um mich wieder zu fangen. Ich kann aktuell gerade gar nicht so richtig nachvollziehen was dann in den folgenden Durchgängen alles passiert ist. Auf jeden Fall kamen plötzlichn Situationen hoch, in denen ich „Nein“ gesagt habe, ohne dass es negative Konsequenzen hatte. Was allerdings immer blieb ist ein schlechtes Gewissen bzw. die Angst vor der Reaktion bei einem ausgesprochenen Nein. Letztlich wurde mir gestern bewusst, dass es nie nie nie wieder so schlimm werden kann, wie nach dem damaligen Nein. Das ich heute ohne Angst „NEIN“ sagen kann und darf. 

 

Gestern ist neben dieser wichtigen Erkenntnis aber auch noch etwas anderes spannendes passiert. Wir haben nicht nur an dem Thema mit dem „aussprechen“ gearbeitet. Zwischenzeitlich kam trotzdem immer wieder das Problem mit dem „gesehen werden“ auf. Hierzu gab es auch eine Situation, die für mich dieses „gesehen werden“ verbildlicht. Mit Anfang 20 traf ich jemanden, der mir förmlich in die Seele sah und erkannte wie fertig und leer ich eigentlich bin. Sie sagte es mir damals ziemlich direkt auf den Kopf zu welche Vermutung sie hat und das etwas nicht mit mir stimmt. Ich war ziemlich perplex weil bisher niemand wusste wie es in mir aussah. Den letzten Versuch mich mitzuteilen habe ich in der Realschule unternommen, aber das wurde arg überhört. Daher war ich weiterhin still und „versteckte mich“. Nun hat diese Frau mich damals gesehen und plötzlich änderte sich einiges. Zuerst war ich sauer, dann fing ich an nachzudenken. Zwar wurde erstmal alles Schlimmer und Schlimmer...aber langfristig gesehen , hat sie den Weg der Heilung erst geebnet. Ohne sie wäre ich vermutlich mein Leben wahrscheinlich völlig aus dem Ruder gelaufen oder ich hätte vorzeitig beendet. Ich merkte gestern also, dass es nicht schlimm war „gesehen“ zu werden. Manchmal öffnet es einem ganz neue Türen wenn einen Menschen „wahrnehmen“. Die Angst davor „gesehen“ zu werden ist im Grunde unbegründet. Viel schlimmer ist es immer eine Show zu spielen und sich nicht zu zeigen wie man ist. Jetzt weiß ich, warum ich immer wieder so fasziniert bin von Menschen, die ihre Gefühle sehr gut zeigen können. Ich stand dann förmlich wie ein Kind da und bewunderte diese Fähigkeit so echt zu sein. Aber es ist nicht zu spät um dies noch zu lernen…. 

 

Heute gibt's Teil 2 von Removed. Man hat immer die Wahl…. 

 

 

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