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Schweigen ist Silber... Reden ist Gold

Ich weiß…es scheint als habe ich da was durcheinandergebracht, aber ich meine genau diese Reihenfolge. Früher war Schweigen mein Gold. Jahrelang habe ich geschwiegen und lebte in meiner eigenen „Kopfwelt“. Ich habe Worte mit Bedacht gewählt, immer mit der Angst vor den Reaktionen anderer. Dieses Schweigen kostete mich Zeit und Beziehungen. Ich traute mich so lange nicht Wünsche, Vorstellungen und Gefühle zu äußern. Immer hatte ich die Angst dafür negative Sanktionen oder Ablehnung zu erfahren. Vor einigen Jahren wurde immerhin der Blog mein Sprachrohr nach außen. Und später vertraute ich mich mehr und mehr Personen in meinem Umfeld an. Ich merkte, dass es gut tun kann zu reden. Aber noch immer war oder besser ist da dieser Filter in meinem Kopf. Ich merke wie ich mich zurückhalte. Dabei kann ich doch stolz auf mich sein und weiß, dass ich heute keine Angst mehr haben muss zu reden. 

Ich glaube gestern bzw. heute habe in dieser Angelegenheit ich den letzten fehlenden Schlüssel gefunden. Den Schlüssel zu einer Tür, die ich eigentlich für immer und ewig verschlossen halten wollte. Doch ich habe gestern gespürt wie stark mich diese Tür noch blockiert.

 

Ich habe 2012 den Kontakt zu meinen Eltern /meiner Mutter abgebrochen ohne ein Wort der Erklärung. Ich wurde zuvor immer wieder von ihnen/ihr in die Ecke gedrängt, wenn ich versucht habe mich und meine Gefühle zu „erklären“. Doch wie sollte ich damals Worte finden für das, was unaussprechlich war?

Ich habe vor einigen Wochen bereits einen „Wutbrief“ geschrieben. Das tat gut, scheint aber noch nicht die Lösung gewesen zu sein. Dieser Brief hat seinen Empfänger nicht erreicht. Ich will aber im Grunde auch nicht nur meine „Wut“ abladen. Irgendwie geht es anscheinend einfach darum einmal loszuwerden, wie sehr mich dass alles belastet hat in der Kindheit. Wie schlimm es war, dass niemand zuhörte, wenn es mir schlecht ging. Niemand sah was passiert ist. Das niemand da war, der bemerkte wie verletzt ich eigentlich war. Es ging immer nur darum, dass ich funktionieren sollte, um dieses Familiensystem aufrecht zu erhalten. Wie schlimm es eigentlich war eine Mutter zu haben, die nur die Arbeit im Kopf hatte und nicht die Bedürfnisse ihres sehr kleinen Kindes. Auch wenn ich heute ahne/weiß, dass sie dies nicht absichtlich gemacht hat…es hat trotzdem so tiefe Spuren in meiner Seele hinterlassen, dass es verdammt lange Zeit brauchte um das alles aufzuarbeiten. Raus aus der „Verschwiegenheit“…rein ins Leben. 

 

Wenn ich früher das Thema angeschnitten habe kamen immer direkt „Angriffe“ und Vorwürfe ihrerseits. Dass ich undankbar sei, dass sie ja arbeiten mussten und dass sie mir ja alles ermöglicht hätten. Ja…das stimmt sogar…Materiell fehlte es mir an nichts…dafür Emotional an umso mehr. 

 

Vielleicht ist nun der Zeitpunkt gekommen, dass Ungesagte da „abzuladen“ wo es hingehört. Ich bin so weit gekommen…zu weit um mich von einer letzten verschlossenen Tür aufhalten zu lassen!!!!!

 

Wie das konkret aussehen kann und wird weiß ich noch nicht…aber allein diese Zusammenhänge zu erkennen hilft mir fürs Erste ungemein weiter.