Der Blog soll die Vergangenheit mit der Gegenwart vereinen.

Missbrauch verarbeitet - Abschied vom Blog -

Vor fast drei Jahren habe ich begonnen diesen Blog zu schreiben. Es sollte ein Ort werden, an dem ich all die belastenden Gefühle, die während der Therapiephasen auftauchen „abladen“ kann. Ich entdeckte meine Leidenschaft für das Schreiben so wieder ganz neu. Es tat mir unheimlich gut all das „Unaussprechliche“ irgendwie in Worte zu fassen. Zuerst schrieb ich nur für mich ganz allein und anonym. Später habe ich den Link auch mir nahestehenden Personen geschickt, die teilweise nichts über meine Vergangenheit wussten. Ich öffnete mich auf diese Weise immer mehr nach außen und lernte, dass ich keine „gefährlichen“ oder negativen Reaktionen zu befürchten habe wenn ICH mich zeige. Eher das Gegenteil war der Fall. Einige Beziehungen sind dadurch viel offener und ehrlicher geworden. 


Für die Blog-Seite habe ich damals die Überschrift „Der Blog soll die Vergangenheit mit der Gegenwart vereinen“ gewählt. Und genau das hat er getan. Passender Weise habe ich genau in dieser Woche das Buch „Jetzt – Die Kraft der Gegenwart“ von Eckhart Tolle gelesen. Ich habe eine sehr lange Reise hinter mir und kann sagen, dass ich am Ende angekommen bin. Ich habe es dank toller ärztlicher und freundschaftlicher Hilfe geschafft die Vergangenheit sehr gut zu verarbeiten. 


Vor allem die letzten Monaten waren ganz wichtig, um alle damit verbundenen Gefühle vollständig aufzuarbeiten. Letzten Sommer äußerten sich die Symptome noch auf sehr unbewusste Art und Weise durch Alpträume und Kopfschmerzen. Die bin ich nun auch endlich los. Von daher war es so wichtig nochmal hinzusehen. 


Jetzt befinde ich mich tatsächlich an dem Punkt, an dem ich die Vergangenheit „loslassen“ kann. Ich hänge nicht mehr in Dauerschleife in den alten Situationen fest. Klar haben mich meine Erfahrungen stark geprägt und sind Teil meiner Persönlichkeit geworden. Aber ich lasse mein Leben davon nicht mehr bestimmen. Ich nehme alles Alte an, weil es einst seine Berechtigung hatte…allerdings sieht das „Jetzt“ ganz anders aus und darauf liegt mein Fokus.


Mein ganzes Leben lang pendelte ich immer nur zwischen der bescheidenen Vergangenheit und einem Bild der Zukunft ohne jemals wirklich im Hier und Jetzt zu sein. Daher kamen mein Körper und meine Psyche auch nie zur Ruhe. Ich hätte 1000 Stunden Entspannungstraining machen können und wäre doch immer noch völlig angespannt gewesen. 


Ich habe es geschafft mir die abgespaltenen Gefühle und mein Körpergefühl zurück zu holen und daher fühle mich nun das erste Mal im Leben „GANZ“. Ich bin plötzlich viel ausgeglichen und energiegeladener.

Ich möchte nun allerdings jetzt einen sehr wichtigen und auch etwas traurigen Schritt gehen. Ich werde nicht mehr in diesem Blog schreiben.  Er hat für mich seinen Zweck erfüllt. Vielleicht gibt es zu gegebener Zeit ein neues, nicht ganz so persönliches Projekt, aber damit möchte ich mich momentan nicht stressen. Alles zu seiner Zeit. Sobald etwas Neues fertig ist, werde ich mich hier wieder melden.


Ich habe über die Seite mich nicht nur gegenüber Freunden geöffnet, sondern auch einige neue, sehr liebe Menschen kennengelernt. Das finde ich sehr schön. Und wer mag darf mir auch weiterhin gerne über diese Seite schreiben. Wahrscheinlich werde ich den Instagram-Account auch noch weiter füttern. Das macht mir momentan nämlich richtig Spaß und ich habe auch dort bereits nette Menschen getroffen. 


Ich danke ausdrücklich allen die mich auf diesem Weg begleitet haben, sei es durch positives Feedback oder regen Austausch. Man kann es schaffen trotz schwieriger Erlebnisse seinen Weg im Leben wiederzufinden. Man darf jedoch nie die Hoffnung und nie das Vertrauen verlieren. Gebt nicht auf!!!


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Brief an mein Teenager-Ich

Ich habe in den vergangenen Monaten ganz wichtige Gefühle aufgearbeitet. Die Trauer des vernachlässigten Kindes…die Angst die durch den Missbrauch entstanden ist. Doch irgendwas fehlte da innerlich noch. Ich kam jedoch nicht drauf. Jetzt wo ich mich mit dem Thema „Essen“ nochmal beschäftigt habe kommt es deutlicher zum Vorschein. Es ist das Gefühl der Scham. Dieses Gefühl ist Zeitlich eher in das Teenageralter einzuordnen. Die Phase zwischen 12 und 16 war einfach sehr sehr schlimm für mich. Was ich damals alles weggesteckt…oder vielleicht auch weggegessen habe, ist mir heute erst so richtig bewusst geworden.

 

Neben den Altlasten aus der Kindheit kamen viele neue Demütigungen und schmerzhafte Erfahrungen dazu. Ich war das perfekte Mobbing-Opfer. Zudem kam es noch zu einem Vorfall, der mich vor der ganzen Schule extrem blamierte und in dessen Zusammenhang mein Vertrauen in andere Menschen nochmals komplett zerstört wurde. Und ich hatte keinen Ort um diese ganzen Müll zu erzählen…! Ich schämte mich so für mich und mein Leben, dass damals die ersten schlimmen Selbstmordgedanken anfinden. Und das mit gerademal 13 Jahren….

 

Das Thema Scham versteckte sich lange lange Zeit sehr gut…wahrscheinlich hinter den ganzen Kilos. Es war mir so fremd, dass ich noch nicht mal auf das positive Gegenteil von Scham gekommen bin. Ich habe dazu tatsächlich Lars Amend fragen müssen. Ich stand zu sehr auf dem Schlauch. Für ihn ist das Gegenteil von Scham das Selbstbewusstsein. Hmm…davon habe ich irgendwann schon mal was gehört. Soll das nach Selbstwert und Selbstliebe etwa noch das fehlende Puzzelteil sein? Selbstbewusstsein…das kenne ich eigentlich nur früher vom Job…da habe ich mir ein perfektes Hilfsmittel gesucht um Selbstbewusstsein zu simulieren. Heute habe ich das nicht mehr. Dieser Lösungsweg war übrigens auch nicht sehr erfolgreich.

 

Was bedeutet Selbstbewusstsein denn für mich überhaupt? Ist das das „so sein können wie man ist“? Sagen können was man denkt? Nicht so abhängig sein von der Meinung anderer? Seinen eigenen Weg gehen? Umso mehr Fragen ich dazu stelle umso mehr stelle ich fest wie fremd mir dieses Thema ist. Und wie stark ich noch in dem alten Muster mich lieber zu verkriechen stecke. Heute kam mir deshalb die Idee des Briefes an mein Teenager-Ich. Vielleicht hilft mir das einen Weg zur Scham und damit zum Selbstbewusstsein zu finden. Denn eines habe ich gelernt…kannst du ein bestimmtes Gefühl nicht fühlen…kannst du auch das Gegengefühl nicht spüren. 

 

„Liebes Teenager-Ich,

 

du bist schon fast so unsichtbar geworden, dass es sehr schwer ist mit dir in Kontakt zu treten. Ich weiß, du wärst viel lieber gar nicht mehr auf dieser Welt. Wünscht dir so sehr nicht jeden Tag in diese höllische Schule gehen zu müssen. Diese ganzen ätzenden Mitschüler nicht mehr ertragen zu müssen. Du fühlst dich so allein unter Menschen. Alles erscheint nur anstrengend und nervig. Und zu Hause läuft es auch nicht besser. Du bist die ganze Zeit alleine. Bedacht darauf keinen Ärger zu machen. Allerdings hast du so auch jede Menge Zeit zu weinen. Doch was nützen die Tränen wenn am nächsten Tag alles wieder von vorn beginnt?

 

Ich kann nichts ungeschehen machen von dem was du ertragen musstest. Aber ich kann dir sagen, dass es sich gelohnt hat weiterzumachen. Auch wenn es schwer war und viele Narben hinterlassen hat. Dein Weg das zu ertragen war das Essen und das Träumen. Das Träumen hat mir später die nötige Kreativität gegeben meinen Weg zu finden. Es war ein guter Weg. Das mit dem Essen haben wir heute einfach nicht mehr nötig. Es sind Menschen da, die uns zuhören. Es gibt keine nervenden Mitschüler mehr, die einem das Leben zur Hölle machen. Wir haben ein gutes Umfeld. Und selbst wenn jemand negativ über uns denkt. Soll er doch…wer unseren Weg verurteilt oder sich darüber lustig macht hat ein sehr großes Problem mit sich selbst. 

 

Glaub mir….alles wird gut. Halt einfach nur durch. Ich bin da. Ich sehe dich…und ich fühle dich!!!!

 

Alles Liebe, dein Erwachsenes-Ich“ 

 

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Gefühle - die nächste Stufe -

Da es mir momentan so gut geht, habe ich die EMDR-Termine in größeren Abständen. Gestern war es nach vier Wochen mal wieder soweit. Nachdem ich alle Entwicklungen der letzten Wochen erzählt hatte, kamen wir nochmal auf ein altbekanntes Thema zu sprechen...mein Gewichtsproblem…! Es ist nach wie vor so, dass ich keinen Dreh zum Thema „emotionales Essen“ bekomme. Wir versuchten gestern daher zunächst eine positive Zielvorstellung zu entwickeln, aber dieser Versuch scheiterte recht kläglich. Mein Unterbewusstsein konnte ich darauf nicht einlassen. Dann versuchten wir mittels EMDR rauszufinden welche Gefühle hinter dem Essen wirklich stecken. Und dabei stellte ich etwas Erstaunliches fest. Es geht gar nicht darum Gefühle „wegzuessen“ sondern darum, dass Ausdrücken von Gefühlen durch das Essen zu unterdrücken. Es reicht also nicht aus sich der Gefühle „intern“ bewusst zu werden (oder sie hier stillschweigend aufzuschreiben). Nein, ich muss sie auch nach außen zeigen können.  Dieses „nicht zeigen von Gefühlen“ begann in einem Alter von 12-13 Jahren. Ich schoss bereits damals von einem Normalgewicht hoch auf 85 Kilo. Für dieses Alter ein ganz schöner Kracher. Natürlich zog das dann weitere erhebliche Probleme hinter sich her. Aber ich lebte nun mal in einem Umfeld, in dem das „Wegessen der Gefühle“ einfacher war, als diese zu artikulieren. Während ich das hier schreibe, fällt es mir gerade wieder wie Schuppen von den Augen warum ich z.B. in der Mittagspause immer diese krassen Schokoladen-Attacken habe. Ich muss ich im Job auch jede Menge Gefühle unterdrücken. Das entlädt sich dann gegen 13:30 Uhr beim Bäcker… Ich weiß zwar jetzt noch nicht genau, wie ein alternatives Verhalten aussehen kann…obwohl…mir ist da gerade förmlich ein „guter Plan“ begegnet.  Ich habe mir vor einigen Wochen ja den Terminkalender „Ein guter Plan“ gekauft. Und den habe ich letzte Woche aus irgendeinem Grund mit zur Arbeit genommen. Jetzt liegt er hier in Sichtweite...und mir kam daher wahrscheinlich folgende Idee: Statt in der Mittagspause im Supermarkt einzukaufen und damit immer in Versuchung geführt zu werden… werde ich mit dem „guten Plan“ in den kleinen Park um die Ecke gehen, mich dort hinsetzen und die 30 Minuten nutzen um das Buch endlich mit Leben zu füllen! Solange das Sommerwetter anhält ist das eine gute Idee. Ich habe es 2014 geschafft 15 Kilo abzunehmen. Wie richtiges Ernähren funktioniert weiß ich also. Ich habe mich trotzdem heute noch zusätzlich  für eine Schnupperlektion bei „Intueat“ angemeldet. Ich bin online in den letzten Wochen immer mal wieder über dieses „Abnehmprogramm“ gefallen. Ich finde den Ansatz sehr genial, weil es um die unbewussten Faktoren des „zu viel Essen“ geht. Es wird ganz viel Wert darauf gelegt endlich wieder auf seinen Körper zu hören und auf das Unterbewusstsein zu hören. Die erste Schnupperlektion ist gratis und ich habe mich da direkt mal angemeldet. Wer sich damit erstmal ohne Anmeldung beschäftigen möchte, dem empfehle ich den Podcast von Mareike Awe, der Gründerin von „Intueat“. 


Die Episoden eines Lebens

 

Mir geht es zur Zeit noch immer sehr sehr gut. Noch immer verändert sich aber ganz viel auf emotionaler und körperlicher Ebene. Ich nehme Gefühle immer intensiver wahr. Die alten und die aktuellen. Auch die Wahrnehmung des eigenen Körpers wird immer intensiver. Da wo früher Leere und Gefühllosigkeit vorherrschte ist nun im wahrsten Sinne des Worte Leben eingekehrt. Ich bin so froh über diese Entwicklung. Gleichzeitig entsteht eine Art „innerer Frieden“ in Bezug auf die Vergangenheit. In der Rückschau kann ich feststellen, dass sich so ca. alle 10 Jahre mein Leben verändert hat. Ich rechne hier mal ab dem 6 Lebensjahr, zum einen weil alles davor zu den Traumatisierungen erheblich beigetragen hat und zum anderen, weil man im Grunde erst ab diesem Alter bewusst wahrnehmen und erinnern kann.

 

Die Jahre 6 – 16 waren davon geprägt die Resultate der Vorjahre und die noch anhaltenden Traumatisierungen irgendwie zu ertragen. In dieser Zeit schaltete ich emotional ab und es entwickelten sich sehr unterschiedliche Bewältigungsstrategien um irgendwie durch den Alltag zu kommen. Mal wurde ich aggressiv in der Schule, mal fraß ich alles nur noch in mich rein, mal träumte ich mich monatelang in ein anderes, besseres Leben. Im Grunde war ich ja damals schon relativ kreativ im Suchen nach Lösungsmöglichkeiten….leider wurden diese eher destruktiv.

 

In den Jahren 16-26 änderte sich dann in kurzen Abständen sehr viel. Mit 16 bekam endlich den notwendigen Abstand von zu Hause. Ich ging meine eigenen Wege … hatte aber nicht das notwendige Handwerkszeug gelernt um wirklich klar zu kommen. Ich schlidderte in sehr destruktive Beziehungen und die Vergangenheit holte mich immer wieder böse ein. Aber es begann irgendwann auch der Weg der Heilung.

 

Zwischen 26 und 36 Jahren setzte sich dieser Weg fort und wie bei einer Achterbahnfahrt ging es noch rauf und runter. Aber ich schaffte es irgendwann diese Achterbahnfahrt zu beenden und es kehrte die notwendige Ruhe und Klarheit ein um die letzten Meter auch noch zu schaffen.

 

Nun bin ich heute 37 Jahre alt und ich habe das Gefühl es liegen weitere spannende 10 Jahre vor mir. Sie werden nochmal komplett anders geprägt sein. Jetzt ist das möglich, was eigentlich mit 16 hätte beginnen sollen. Ein eigenständiges und gutes Leben….

 

 

 

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Schweigen ist Silber... Reden ist Gold

Ich weiß…es scheint als habe ich da was durcheinandergebracht, aber ich meine genau diese Reihenfolge. Früher war Schweigen mein Gold. Jahrelang habe ich geschwiegen und lebte in meiner eigenen „Kopfwelt“. Ich habe Worte mit Bedacht gewählt, immer mit der Angst vor den Reaktionen anderer. Dieses Schweigen kostete mich Zeit und Beziehungen. Ich traute mich so lange nicht Wünsche, Vorstellungen und Gefühle zu äußern. Immer hatte ich die Angst dafür negative Sanktionen oder Ablehnung zu erfahren. Vor einigen Jahren wurde immerhin der Blog mein Sprachrohr nach außen. Und später vertraute ich mich mehr und mehr Personen in meinem Umfeld an. Ich merkte, dass es gut tun kann zu reden. Aber noch immer war oder besser ist da dieser Filter in meinem Kopf. Ich merke wie ich mich zurückhalte. Dabei kann ich doch stolz auf mich sein und weiß, dass ich heute keine Angst mehr haben muss zu reden. 

Ich glaube gestern bzw. heute habe in dieser Angelegenheit ich den letzten fehlenden Schlüssel gefunden. Den Schlüssel zu einer Tür, die ich eigentlich für immer und ewig verschlossen halten wollte. Doch ich habe gestern gespürt wie stark mich diese Tür noch blockiert.

 

Ich habe 2012 den Kontakt zu meinen Eltern /meiner Mutter abgebrochen ohne ein Wort der Erklärung. Ich wurde zuvor immer wieder von ihnen/ihr in die Ecke gedrängt, wenn ich versucht habe mich und meine Gefühle zu „erklären“. Doch wie sollte ich damals Worte finden für das, was unaussprechlich war?

Ich habe vor einigen Wochen bereits einen „Wutbrief“ geschrieben. Das tat gut, scheint aber noch nicht die Lösung gewesen zu sein. Dieser Brief hat seinen Empfänger nicht erreicht. Ich will aber im Grunde auch nicht nur meine „Wut“ abladen. Irgendwie geht es anscheinend einfach darum einmal loszuwerden, wie sehr mich dass alles belastet hat in der Kindheit. Wie schlimm es war, dass niemand zuhörte, wenn es mir schlecht ging. Niemand sah was passiert ist. Das niemand da war, der bemerkte wie verletzt ich eigentlich war. Es ging immer nur darum, dass ich funktionieren sollte, um dieses Familiensystem aufrecht zu erhalten. Wie schlimm es eigentlich war eine Mutter zu haben, die nur die Arbeit im Kopf hatte und nicht die Bedürfnisse ihres sehr kleinen Kindes. Auch wenn ich heute ahne/weiß, dass sie dies nicht absichtlich gemacht hat…es hat trotzdem so tiefe Spuren in meiner Seele hinterlassen, dass es verdammt lange Zeit brauchte um das alles aufzuarbeiten. Raus aus der „Verschwiegenheit“…rein ins Leben. 

 

Wenn ich früher das Thema angeschnitten habe kamen immer direkt „Angriffe“ und Vorwürfe ihrerseits. Dass ich undankbar sei, dass sie ja arbeiten mussten und dass sie mir ja alles ermöglicht hätten. Ja…das stimmt sogar…Materiell fehlte es mir an nichts…dafür Emotional an umso mehr. 

 

Vielleicht ist nun der Zeitpunkt gekommen, dass Ungesagte da „abzuladen“ wo es hingehört. Ich bin so weit gekommen…zu weit um mich von einer letzten verschlossenen Tür aufhalten zu lassen!!!!!

 

Wie das konkret aussehen kann und wird weiß ich noch nicht…aber allein diese Zusammenhänge zu erkennen hilft mir fürs Erste ungemein weiter. 

 

Sehr lange 5 Minuten...

Mir ist gestern etwas ganz Wunderbares passiert und ich muss darüber einfach schreiben. Ich habe im Urlaub ja das Buch „Why not“ von Lars Amend gelesen. Zudem habe ich beim Joggen immer seinen Podcast „Die Glücksritter“ gehört und ganz viele wertvolle Tipps aus den Folgen gezogen. Der Podcast beflügelte förmlich. Ich folgte Lars daraufhin auch auf Instagram. Am Mittwoch startete Lars dort eine ganz besondere Aktion. Er versprach jeden, der an diesem Tag auf Amazon eine Rezension für „Why not“ schreibt, für 5 Minuten anzurufen. Gesagt getan…und dabei wollte ich „Why not“ eigentlich im Buchhandel holen…hatte das aber vergessen und so kam das Buch last minute noch von Tante Amazon vor dem Urlaub zu mir nach Hause! Nachdem die Rezension online war, schickte ich einen Screenshot mit meiner Nummer an Lars und war gespannt was passieren wird. Und just keine 24 Stunden später klingelte plötzlich mein Telefon mit Unbekannter Nummer. Und trotz Stummschaltung sah ich das auch noch! Welch Wunder bei mir! 

Tja und da war er dann wirklich dran…ich hatte nun tatsächlich die Chance mit Lars Amend persönlich zu telefonieren. Klar hatte ich mir am Vortag noch Gedanken gemacht „OH Gott…was soll ich denn da nur sagen!“….aber er erwischte mich in einem so unvorbereiteten Moment…da blieb nur erstmal drauflos plaudern übrig. Und das fiel nicht schwer mit ihm ;)! Aber ich kam ganz schnell zu den Themen, die momentan sehr wichtig für mich sind…die Arbeit und meinen Wunsch parallel noch einen anderen Weg einzuschlagen. Bisher fehlte es dazu noch an Mut und Rückhalt. Lars lenkte den Fokus sehr gut darauf, dass ich in einer der besten Ausgangslagen überhaupt bin und meine aktuelle Arbeit einfach als sicheren Anker sehen kann. Der Job gibt Sicherheit und genug finanziellen Spielraum um mir nebenbei etwas zu suchen, was mich deutlich mehr erfüllt. Lars konnte mir auch einige Ängste bzgl. des Jobs nehmen. Auch wenn ich hinter meiner Job-Wahl heute nicht mehr stehen kann. Meine Arbeit ist mega sicher und lässt einen großen Spielraum nebenbei Dinge zu tun, die mir deutlich mehr Spaß machen. Und diesen Weg möchte ich unbedingt gehen. 

 

Hier kommt dann aber noch der Part Rückhalt ins Spiel. Mein Herzensmensch kann meinen Wunsch nach Weiterbildung nicht so ganz nachvollziehen bzw. hat Angst vor den möglichen Veränderungen. Auch hierzu konnte mir Lars ganz wertvolle Tipps geben. Und ich denke es wird sich hier alles zum Guten wenden. Darauf vertraue ich einfach. 

 

Auf jeden Fall wurden aus 5 Minuten doch einige Minuten mehr und es war ein extrem entspanntes Gespräch, dass mir nochmal sehr viel mit auf den Weg gab. Und mir wurde wieder einmal bewusst, wieviel ich in den letzten Jahren geschafft habe. In emotionaler Hinsicht einmal von ganz unten nach ganz oben…oder noch besser….endlich raus aus dem Keller!!!! DANKE!

 

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Alltagsfluchten

So, ich bin seit einigen Tagen wieder zurück aus dem Urlaub. Der Strand und das Meer fehlen mir jetzt schon wieder unglaublich stark. Ich habe das Privileg relativ oft verreisen zu können. Meistens sind es drei Urlaube im Jahr. Diese Urlaube sind es, die den Arbeitsalltag irgendwie erträglich machen. Ich bin zwar nicht mehr so gefrustet wie vor zwei Jahren und zum Glück geht es mir gesundheitlich auch so gut wie nie…aber mehr als mein Brotjob ist das aktuell auch nicht. Gut, er beschert mir recht gutes Brot…das muss ich ja zugeben. Aber ich merke, dass es im Alltag schwieriger wird sich von Urlaub zu Urlaub zu hangeln. Aber ich versuche jetzt ein paar andere Wege zu gehen. Da das mit dem joggen nach der Arbeit auch nicht zu mehr Power geführt hat (eher zu mehr Frust, wenn ich wiedermal nicht laufen war) versuche ich es nun mit Lesen und Weiterbildung. Dass mit der Weiterbildung steckt zwar noch in den Kinderschuhen. Aber bzgl. dem Lesen habe ich mir aktuell vorgenommen in jeder Woche in Buch zu lesen. Obwohl ich gern schreibe, war das Lesen bisher eher unterpräsentiert in meinem Leben. Es beschränkte sich auf Krimis im Urlaub. Das soll nun anders werden. Ich habe in den letzten Wochen schon einige Bücher „verschlungen“. Was ich gerade so lese kann man auf Instagram verfolgen. Das Lesen ist irgendwie wie Doping für das Gehirn. 

 

Gerade wegen meiner schwierigen Kindheit wurden mir wesentliche Erfahrungen vorenthalten, die für ein Leben als Erwachsener notwendig sind oder dies deutlich erleichtern. Ich hole das irgendwie gerade durch das Lesen nach. Normalerweise geben Eltern oder das Umfeld diese „Erkenntnisse“ an Kinder weiter. Bei mir fehlte dieser Prozess. Manchmal fühlt sich das an wie eine Lücke. Nun versuche ich diese Lücke irgendwie zu schließen. Und wie ich mich kenne, wird mir auch das gelingen. 

 

Jetzt beim Schreiben fällt mir eim, dass ich als Kind ganz viel Zeit in unserer guten alten Stadtbibliothek verbracht habe. Ganze Nachmittage lief ich durch die Gänge und fand es toll alle Bücher anzuschauen. Hmm...manchmal weiß man wohl intuitiv was gut für einen ist. 

 

Und weil es so schön ist....hier ein Foto meines Lieblings-Leseplatzes:

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Der pinke Wachturm

Ich bin mal wieder in meinem Lieblingsurlaubsort. Und ich genieße es hier joggen zu gehen. Auch wenn das Wetter heute grau ist, war es eine Wohltat den Tag mit einer Runde durch den Pinienwald und am Strand zu drehen. Dazu ein guter Podcast auf die Ohren.

 

Auf dem Rückweg kam ich an einem besonderen Wachturm der Lifeguards vorbei. Eigentlich sind diese Türme immer rot weiß. Aber es gib einen der ist anders. Und zwar ist er knallig Pink.... Ich liebe diesen Turm. Aber heute fiel mir auf, dass er so besonders ist, weil er anders ist als die Masse der anderen Wachtürme. Kein Turm wird mehr fotografiert. Er ist ein Wahrzeichen dieses Strandes. Heute gab er mir einen wichtigen Rat mit auf den Weg. "Sei in deiner Andersartigkeit etwas Besonderes". Ich hab mich selbst oft dafür verurteilt weil ich anders bin. Ich hab eine andere Vergangenheit...ich sehe anders aus... Ich lebe anders...ich habe eine andere Vorstellung von meinem Job... Ich wollte mich vielleicht zu sehr anpassen. Aber im Grunde liegt etwas Besonderes im Anders sein. Und dann kann ich auch ICH sein. 

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Angst vor Veränderung - gar nicht so unnormal

Seitdem ich nicht mehr so gefangen bin in meiner eigenen Welt und in meinen eigenen Problemen, fange ich an die „Außenwelt“ viel deutlicher wahrzunehmen. Eine Gabe meiner Vergangenheit ist, dass ich die Gefühle und das Verhalten anderer Menschen sehr schnell erfassen kann. Dies war als Kind eine wichtige Fähigkeit um einigermaßen unbeschadet meinen Alltag zu überstehen. Zeitweise überforderte mich dieses besondere Wahrnehmen allerdings auch sehr stark. Es gab Phasen in meinem Leben, in denen ich einfach nur allein sein musste um überhaupt noch klar zu kommen. Zum Glück gehören diese Phasen der Vergangenheit an. Und inzwischen finde ich immer mehr Gefallen daran, hinter die Fassaden der Menschen zu schauen. Ich bin sicher kein Gedankenleser oder maße mir auch nicht an mit meinen Einschätzungen stets richtig zu liegen. Aber ich denke schon, dass ich mehr „sehe“ als andere. Bzw. achte ich wahrscheinlich eher auf gewisse Kleinigkeiten die anderen oft entgehen. 

 

Aktuell fällt mir auf, dass im Grunde sehr sehr viele Menschen Angst vor Veränderungen haben. Ein sehr gutes Alltagsbeispiel sehe ich gerade tagtäglich in meinem Job. In der nächsten Woche wird unserer Computersystem umgestellt. Wir bekommen ein neues Betriebssystem inkl. neuer Programme und Office-Anwendungen. Einige Bereiche wurden schon umgestellt. Gewohnte Arbeitsschritte sind sind nicht mehr oder nur noch anders möglich. Dieses kleine Phänomen stellt meine Kollegen teilweise vor große Herausforderungen. Man merkt wie dieses ganze neue System abgelehnt wird, nur weil man sich nicht damit auseinandersetzen will und gewohnte Arbeitsschritte nun nicht mehr möglich sind. Die Flexibilität hier nach neuen Lösungen zu suchen ist bei einigen Kollegen überhaupt nicht mehr vorhanden.

 

Ich arbeite ohnehin in einem Bereich in dem der Leitspruch eigentlich heißt „Das haben wir schon immer so gemacht!!!“. Da ist für neue Idee und neue Lösungsansätze so gut wie kein Platz. Innovationen sind Mangelware und dauern in der Umsetzung meistens Jahre. Naja...wenn man bedenkt, dass ich in der Sicherheitsbranche arbeite ,ist es wahrscheinlich ist es wahrscheinlich auch verwunderlich, dass alles was neu ist und „Angst macht“ erstmal abgelehnt wird. 

 

Die Flexibilität um auf neue oder veränderte Situationen zu reagieren scheint wirklich vielen Menschen abhanden gekommen zu sein. Aber macht das denn nicht das Leben auch ein Stück weit spannend und interessant. Die Angst steht einem dabei förmlich im Weg flexibel zu denken und passend reagieren. 

 

Ich für meinen Teil versuche aktuell deutlich weniger Angst vor Neuem zu haben. Man kann dabei nur lernen...und wenn es die Lektion ist irgendwas nicht zu können...auch das ist hilfreich. Ich handele nun nach dem schönen Werbeslogan: JUST DO IT!!!

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Er soll sich schämen

Ich wurde gerade sehr unvorbereitet mit dem Thema Scham konfrontiert. Ich habe ja eine neue "Lieblingsseite". Dabei handelt es sich um den Blog MyMonk . Wie ich auf den Blog gestoßen bin und warum er mir gerade soviel bedeutet werde ich an anderer Stelle schreiben. Heute habe ich mir den neuesten Podcast von dem Blog Autor Tim angehört. Er drehte sich um das Thema Scham. Die bisherigen Podcasts drehten sich viel darum seinen eigenen Weg zu gehen und Dinge loszulassen. Das sind ja nun auch genau meine aktuellen Themen. Aber wie Tim heute über das Thema Scham gesprochen hat traf mich mitten ins Herz. Missbrauch und Scham sind ja nun mal untrennbar miteinander verbunden. Die Steigerung zu den Arten von Scham über die Tim gesprochen hat ist bei Missbrauch jedoch die Scham über etwas, was man selbst gar nicht beeinflussen konnte. Man schämt sich dafür Opfer zu sein. Man schämt sich dafür was jemand anders getan hat. Man schämt sich dafür, dass man sich mit 3 oder 4 Jahren nicht wehren konnte. Man schämt sich, dass der Täter sich einen als Opfer "ausgewählt" hat. Durch den Podcast habe ich gespürt wieviel Scham da noch vorhanden ist. Diese Scham hält mich unter anderem davon ab einen neuen "beruflichen" Weg gehen zu können. Klar kann man die Scham tief tief verdrängen, doch sie lodert immer weiter. Und kommt dann nur eine passende Kritik würde mein so hart erarbeitetes Selbstbewusstsein wahrscheinlich wieder zusammenfallen wie ein Kartenhaus...wo ich mir das doch so mühsam erarbeitet habe. Durch das Hören des Podcasts ist mir aber bewusst geworden, dass Scham wirklich noch ein Thema für mich ist. Ein erster wichtiger Schritt ist damit getan. 

 

Tim stellt zum Ende des Podcasts auch ein paar seiner Lösungswege um die Scham in den Griff zu bekommen vor. Dies regte bei mir auch einen wichtigen Prozess an. Ich kann meine Scham nur loswerden, wenn ich sie dem Täter zurück gebe. Nicht ich muss mich schämen....ER MUSS SICH SCHÄMEN. Ich konnte nichts dafür oder dagegen tun sein Opfer zu werden. Ich habe nichts falsch gemacht. Ich bin seitdem nicht weniger wert. Ich muss mich nicht verstecken. Missbrauch raubt jedes Selbstwertgefühl. Es zerreißt es förmlich in Fetzen. Diese Fetzen zu finden und dieses Puzzle wieder zusammenzusetzen ist eine schwere Aufgabe. Aber es ist machbar.  Meine persönliche Waffe gegen die Scham ist mein Selbstwertgefühl und mein Stolz auf das was ich bisher erreicht habe. Dafür muss ich mich nicht länger schämen. Um mal tief in die Zitatekiste zu greifen: "Ich habe aus den Zitronen, die mir das Leben gegeben hat, schon verdammt leckere Limonade gemacht."  Da ist kein Grund sich zu schämen......

 

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Inspiration

Ich schreibe heute mal eher über etwas Allgemeingültiges. Ich habe ja gestern schon von den Zeiten des Umbruchs geschrieben.  Neben den inneren Prozessen die dabei stattfinden, ist man ja dann auch damit beschäftigt im Außen nach Anreizen und Impulsen zu suchen. Zumindest geht es mir gerade so. Neben alten Wegbegleitern wie Gerald Hüther und Dami Charf entdecke ich im Netz gerade ganz neue spannende Menschen die mich sehr inspirieren meinen eigenen Weg zu finden und auch zu gehen. Ihre Geschichten und Denkweisen geben mir viel Kraft immer mehr zu meinem Selbst zu stehen. 

 

Heute ist mir aufgefallen, dass man diese Inspirationen sowohl positiv, als auch negativ nutzen kann. Mit Anfang 20 entdeckte ich das Internet für mich. Damals steckte das alles noch in den Kinderschuhen. An die genialen Websites von heute war noch nicht zu denken. Das Netzleben spielte sich eher in Foren ab. Damals landete ich aufgrund meiner Probleme auch in sogenannten Suizidforen. Damals gab es eher wenige davon, aber relativ leicht zu finden. Meine ganze Aufmerksamkeit drehte sich darum. Zudem hörte ich die passende deprimierende Musik und schaute entsprechende Filme. Im Nachhinein betrachtet war das die vorprogrammierte Abwärtsspirale. Ich habe den Fokus so sehr auf negative Inspirationen gesetzt, dass ich mich fast selbst verloren hätte. 

 

Zu Beginn meiner Heilung setze ich meinen Fokus dann eher auf den Wissenserwerb. Ich ließ mich von Wissenschaftlern und therapeutisch erfahrenen Personen inspirieren und erweiterte damit meinen Wissenshorizont um ein Vielfaches. Das Wissen half mir die inneren Prozesse besser zu verstehen und mich selbst und mein Verhalten nicht mehr so dafür zu verurteilen.

 

Jetzt beginnt eine ganz neue Zeit. Da ich nicht mehr so gefangen bin in den alten Mustern kann ich dem Leben und anderen Menschen viel offener begegnen. Vielleicht reizen mich die Menschen und ihre Geschichten deshalb so sehr. Für mich fühlt sich diese Art der Inspiration und des Fokus gerade sehr passend an. Vielleicht ja auch weil mir soetwas wie Leidenschaft für eine Sache oder das Gefühl etwas Schaffen zu können durch mein desolates Familiensystem nie vermittelt wurde. 

 

Durch die Therapie habe ich gelernt mit den Emotionen umzugehen. Jetzt stehen anscheinend neue Lektionen auf dem Plan und Inspirationen hierzu können nicht schaden. Ich muss halt immer schauen was zu meiner persönliche Entwicklung passt. Inspirierend können natürlich nicht nur „Internet-Persönlichkeiten“ oder Autoren sein…. Für mich ist selbst mein Hund immer eine Inspiration. Wie natürlich er sich verhält, wie offen er seine Angst und seine Grenzen zeigt...wie er dann doch wieder Vertrauen findet und sich ganz schnell wieder entspannen kann. Oder Gespräche mit Freunden und Bekannten können ebenfalls sehr inspirierend sein. Inspiration ist alles was einen neuen Denkanstoß gibt. Letztlich liegt  es aber auch an einem selbst, ob man sich überhaupt inspirieren lässt...ob man offen für neues und vielleicht anderes ist. Ob der Mut da ist sich darauf überhaupt einzulassen. Ich bin von Natur aus ein eher neugieriger Mensch...von daher wohl auch empfänglich für Inspirationen. 

 

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Zeiten des Umbruchs

Momentan befinde ich mich in einer ganz spannenden Zeit. Die Traumatherapie neigt sich gefühlt das erste Mal richtig dem Ende zu. Wir arbeiten in den EMDR Sitzungen zwar noch mit den traumatischen Anteilen, aber letztlich habe ich gerade in der vergangenen Stunde gemerkt, dass diese Erinnerungen einfache ein Teil meiner Persönlichkeit sind und bleiben werden. Mit der Therapie und dem EMDR kann diese Erfahrung ja nicht ausgelöscht werden. Durch das Bewusstwerden der verdrängten Erinnerungen und der Verarbeitung der damit verbundenen Gefühle ist jedoch ein weitgehend normales Leben endlich möglich. Der Körper befindet sich nicht mehr unter Dauerstress und ist viel entspannter. Ich kann Ruhe endlich aushalten und genießen. Früher war dies nicht der Fall. Selbst in Phasen, in denen ich wochenlang krankgeschrieben war, konnte ich nicht regenerieren. Nun ist das zum ersten Mal anders in meinem Leben. Ich fühle mich förmlich wie neu geboren. Und diese neue Energie möchte ich auch endlich nutzen, um Dinge zu tun, die mich wirklich interessieren. Ich habe zwar einen sicheren und gut bezahlten Job, den ich auch nicht ohne Weiteres aufgeben würde, aber er füllt mich weder aus noch macht er mich wirklich glücklich. Ich wage nun endlich erste Schritte dem nachzugehen, was ich wirklich will. Noch ist meine Vision eher unscharf….bzw. eigentlich habe ich schon ein konkretes Bild vor Augen wo ich in 10 Jahren stehen will….aber der Weg dahin ist noch unscharf. Aber er passt mehr zu meiner nun „freigelegten“ Persönlichkeit, als das was ich aktuell mache. 

 

So ein bißchen fühle ich mich, als ob nach Jahren des grauen und trüben Wetters nun endlich die Sonne rauskommt und es richtig schön warm wird. Die Analogie hat sicher mit dem letzten Sommer und den aktuellen Temperaturen zu tun. Aber ich spüre nach den langen Jahren der Angst und Anspannung nun zum ersten Mal Glück und Entspannung. Ich bin Stolz auf das was ich geschafft habe und Dankbar für all die lieben Menschen in meinem Leben.  

 

Nun kann ich neue, andere Wege beschreiten….ohne die Angst im Rucksack. 

 

Hmm da fällt mir glatt der alte Blog-Beitrag mit dem Rucksack ein. Welch einen Ballast dieses alten Emotionen dargestellt haben. Im Nachhinein betrachtet kann ich sagen, dass der Rucksack verdammt unaufgeräumt war. Es herrschte förmlich Chaos darin. Nun habe ich ihn ausgepackt, angeschaut, alles neu geordnet und im Grunde wieder aufgesetzt. Aber nicht mehr als Ballast sondern als wichtiges Gepäck für meine weitere Reise…...

 

"Nein" sagen

Bereits vor einigen Monaten haben ich einen Blog-Artikel mit dem Titel „Nein“ geschrieben. Damals hat sich dieses Wort seine Weg förmlich durch meinen Körper gebahnt. In einer Stunde bei der Osteopathin merkte ich wie dieses Wort in meinem Brustkorb und meiner Kehle förmlich stecken blieb. Gestern bin ich im EMDR bei dem „gesprochenen Nein“ angekommen. Einstieg war wieder dieses Bild von mir als trauriges Kind und der Tatsache das dort niemand war, der diese Traurigkeit gesehen hat und niemand war mit dem ich reden konnte. Auch gestern merkte ich immer wieder dieses beklemmende Gefühl im Brustkorb. Ich legte den Fokus irgendwann darauf und stellte fest, dass es weiterhin um das Thema geht sich zu äußern. Es kam wieder dieses Gefühl auf, dass ich nicht Nein sagen darf. Aber es wandelte sich eher in das Gefühl, dass es zwecklos ist überhaupt Nein zu sagen. Diese Erkenntnis katapultierte mich wieder in den Keller. Ohne die konkrete Erinnerung fühlte es sich plötzlich so an, als ob ich Nein gesagt hätte, aber dies  keine Wirkung hatte. Als ob über dieses Nein willkürlich hinweggegangen wurde. Diese Erkenntnis machte mich unheimlich traurig. Diese Grenzverletzung war so massiv. Ich brauchte ein paar EMDR Durchgänge um mich wieder zu fangen. Ich kann aktuell gerade gar nicht so richtig nachvollziehen was dann in den folgenden Durchgängen alles passiert ist. Auf jeden Fall kamen plötzlichn Situationen hoch, in denen ich „Nein“ gesagt habe, ohne dass es negative Konsequenzen hatte. Was allerdings immer blieb ist ein schlechtes Gewissen bzw. die Angst vor der Reaktion bei einem ausgesprochenen Nein. Letztlich wurde mir gestern bewusst, dass es nie nie nie wieder so schlimm werden kann, wie nach dem damaligen Nein. Das ich heute ohne Angst „NEIN“ sagen kann und darf. 

 

Gestern ist neben dieser wichtigen Erkenntnis aber auch noch etwas anderes spannendes passiert. Wir haben nicht nur an dem Thema mit dem „aussprechen“ gearbeitet. Zwischenzeitlich kam trotzdem immer wieder das Problem mit dem „gesehen werden“ auf. Hierzu gab es auch eine Situation, die für mich dieses „gesehen werden“ verbildlicht. Mit Anfang 20 traf ich jemanden, der mir förmlich in die Seele sah und erkannte wie fertig und leer ich eigentlich bin. Sie sagte es mir damals ziemlich direkt auf den Kopf zu welche Vermutung sie hat und das etwas nicht mit mir stimmt. Ich war ziemlich perplex weil bisher niemand wusste wie es in mir aussah. Den letzten Versuch mich mitzuteilen habe ich in der Realschule unternommen, aber das wurde arg überhört. Daher war ich weiterhin still und „versteckte mich“. Nun hat diese Frau mich damals gesehen und plötzlich änderte sich einiges. Zuerst war ich sauer, dann fing ich an nachzudenken. Zwar wurde erstmal alles Schlimmer und Schlimmer...aber langfristig gesehen , hat sie den Weg der Heilung erst geebnet. Ohne sie wäre ich vermutlich mein Leben wahrscheinlich völlig aus dem Ruder gelaufen oder ich hätte vorzeitig beendet. Ich merkte gestern also, dass es nicht schlimm war „gesehen“ zu werden. Manchmal öffnet es einem ganz neue Türen wenn einen Menschen „wahrnehmen“. Die Angst davor „gesehen“ zu werden ist im Grunde unbegründet. Viel schlimmer ist es immer eine Show zu spielen und sich nicht zu zeigen wie man ist. Jetzt weiß ich, warum ich immer wieder so fasziniert bin von Menschen, die ihre Gefühle sehr gut zeigen können. Ich stand dann förmlich wie ein Kind da und bewunderte diese Fähigkeit so echt zu sein. Aber es ist nicht zu spät um dies noch zu lernen…. 

 

Heute gibt's Teil 2 von Removed. Man hat immer die Wahl…. 

 

 

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Sehen und gesehen werden

Ich hatte gestern seit längerer Zeit mal wieder einen Termin bei der Osteopathin. Mir geht es ja nun schon seit Wochen sehr sehr gut. Von daher wusste ich zuerst auch gar nicht so recht woran wir dort arbeiten könnten. Allerdings hab ich seit einiger Zeit ein sehr lästiges Zucken im rechten Augenlid. Klar ist das ein Mini-Problem...aber es nervt irgendwie doch ziemlich.

 

Während der Stunde war ich dann doch zunächst einmal überrascht, wieviel „Energie“ da auf körperlicher Ebene noch gespeichert ist. Ich reagierte während der Behandlung noch ziemlich heftig. Ich spürte wieder die Probleme im Brustkorb beim Atmen und bekam Krämpfe in der Rückenmuskulatur. Wir versuchen dem Grund dafür auf die Spur zu kommen. Das Zucken im Augenlid trat das erste Mal vor unserer großen Party auf. Ich schon es auf den damit verbundenen organisatorischen Stress. Aber im Grunde war der psychische Stress viel größer. Ich hasse eigentlich Menschengruppen. Ich fühle mich in größeren Gruppen einfach extrem unwohl. Ich stelle mich diesen Situationen zwar immer wieder, aber wirklich besser wird es nicht. Und zu der Party waren immerhin 150 Leute eingeladen. Stück für Stück habe ich dann gestern versucht herauszufinden was nun das konkrete Problem damit ist. Es hat mit dem Aspekt „gesehen werden“ zu tun. Konkreter...gesehen und wahrgenommen werden. Zu letzterem gehört auch der Part sich zu äußern. Klar hatte ich eine Kindheit in der es nicht erwünscht und auch nicht förderliche war „gesehen“ zu werden. Ich habe früh gelernt mich zu verstecken. Bzw. eigentlich habe ich gelernt meine Gefühle zu verstecken. Die Angst wurde durch Stärke getarnt, Traurigkeit durch körperliche Probleme, Wut wurde an mir selbst ausgelassen….selbst Freude wurde für mich behalten…denn ich hatte Angst sie würde zunichte gemacht werden :(….

 

So richtig bin ich gestern in der Stunde noch nicht an den „passenden Schlüssel“ gelangt...dafür brauchte es noch die Nacht. Ich habe heute Nacht wieder einen sehr sehr bezeichnenden Traum gehabt. Es war ein sehr stark sexualisierter Traum. Näheres dazu kann ich an dieser Stelle dazu nicht schreiben. Nach dem Aufwachen war mir aber ziemlich schlagartig klar, dass das „nicht gesehen werden wollen“ ganz stark mit dem Missbrauch zusammenhängt. Früher dachte ich immer ich möchte aus Scham wegen der Tat nicht gesehen werden. Aber ich glaube es setzt noch früher an. Ich möchte nicht gesehen werden, um nicht nochmal Opfer zu werden. 

 

Ich war zum Tatzeitpunkt ja ca. 4/5 Jahre alt. Ich lebte in einem Umfeld, in dem ich mich sehr frei bewegen konnte. Es waren immer sehr sehr viele unterschiedliche Menschen meiner nächsten Nähe. Meine Mutter hat ein Wohnheim für Auszubildende geleitet. Wir hatten eine Wohnung, die direkt an das Wohnheim angrenzte. Beides war nur durch eine Tür getrennt. In  dem Wohnheim lebten min. 25 Lehrlinge schätze ich. Es können vielleicht sogar auch mehr gewesen sein. Jeden Sommer wechselten die Lehrlinge. Teilweise kamen in den Ferien auch Delegationen aus dem Ausland die dort Urlaub verbracht haben wenn die Lehrlinge Ferien hatte, Da ich ja so schön „nebenbei“ groß geworden bin, stromerte ich bereits als Kind immer recht allein in und um dieses Wohnheim herum. Hier kam es dann auch zum Täterkontakt. Die Tat an sich fand im Keller dieses Wohnheimes statt. Soviel „Erinnerung“ habe ich noch. 

 

Jetzt beim Schreiben des Beitrages fällt mir tatsächlich noch eine sehr bezeichnende Auswirkung des „nicht gesehen werden wollen“ ein. Bereits in ganz frühen Jahren wollte ich kein Mädchen mehr sein. Ich wollte immer wie ein Junge aussehen und auch das mich alle Menschen für einen Jungen halten. Dadurch bekam ich natürlich noch ganz andere Probleme wie z.B. Mobbing in der Schule...aber alles war besser als als Mädchen wahrgenommen zu werden. Das zog sich im Endeffekt mein ganzes Leben so durch. Mit 15 ließ ich mir mal die Haare wachsen und veränderte mich stark. Mit 21 wurden die Haare aber wieder abgeschnitten und im Grunde bin ich selbst heute keine „typische“ Frau. Ich bin einfach etwas anders. Und das wahrscheinlich zum Schutz davor gesehen zu werden……… Fortsetzung folgt. 

 

 

Mein heutiges Video zum Thema ist ein sehr eindrücklich Kurzfilm über die Auswirkungen von Kindesmisshandlung. Er ist auf Englisch aber die Story und die vermittelten Gefühle brauche eigentlich gar keine Sprache…. So schwer der Film phasenweise vielleicht zu ertragen ist, auf jeden Fall bis zum Ende ansehen….

 

Stolz

Inspiriert von "Touched" wirkt immer noch ein wichtiges Thema nach. Ein Tenor des Stückes war, ein Bewusstsein zu schaffen, dass man als komplex traumatisierter Mensch im Grunde eine riesige Arbeit leistet um ein "normales" Leben führen. Es kostet soviel Kraft sich seiner Vergangenheit stellen, wieder Vertrauen in sich und seine Umwelt zurück zu erobern und mit seinen Gefühlen klar zu kommen. Rückblickend habe ich es geschafft von einem ziemlich erbärmlichen Zustand ausgehend mich in ein tolles und glückliches Leben zu "kämpfen". Das ist natürlich etwas, was so gut wie kein Mensch von außen überhaupt bewerten könnte. Umso wichtiger ist, dass ich es anfange entsprechend wertzuschätzen. Ich mich nicht immer und immer wieder minderwertig und als Opfer fühle. Als ob ich in den letzten Jahren nichts erreicht hätte. Damit tue ich mich selbst so extrem Unrecht. Klar gibt es sicher viele die für sich persönlich ähnliches erreicht haben. Aber es gibt auch genügend Menschen die noch immer ihr Probleme auf den Rücken anderer austragen. Ich kann und will stolz auf mich sein. Ich habe gegen die "Dämonen" gekämpft und gewonnen. Ich habe mich gegen ihn nach so vielen Jahren doch noch zur Wehr gesetzt und mein Ich zurück erobert. Also ist heute genau der richtige Moment um einfach nur Stolz auf mich zu sein!!!

 

Frei sein!!!

Gestern hatte ich wohl wieder eine dieser Schlüssel-EMDR-Sitzungen. Es gab in all den Jahren immer wieder diese Stunden...die anschließend alle Sichtweisen neu geordnet haben. Und so eine Stunde durfte ich gestern wieder erleben.

 

Normalerweise nimmt man ja eine „bewusste“ negative Erinnerung und bearbeitet dies mit EMDR. Zu meinem gestrigen Thema hatte ich nicht die EINE Erinnerung. Es ging um das fehlende Vertrauen in mich und um das Äußern meiner Bedürfnisse. Das ich damit solche Schwierigkeiten habe/hatte liegt halt generell an der Situation in der ich aufgewachsen bin. Ich musste mich sozusagen „verstecken“ um negatives zu vermeiden.

 

Gestern half mir einmal mehr meine Kreativität weiter. Um das Video zum letzten Blogeintrag anzufertigen habe ich mir ja meine Kinderfotos angeschaut. Dabei fielen mir auch Fotos meiner Einschulung in die Hände. Und ich war einmal mehr erschrocken welch leeren Blick ich damals hatte. Wirklich fröhlich schaut zwar keiner auf den Fotos...aber mein Blick spricht Bände. 

 

Wir nahmen daher dieses Bild für das EMDR zur Hilfe um weiter an die Ursachen und Gefühle zu kommen. Und es war genau richtig. Während der Sitzung kam ich diesen alten Gefühlen richtig nahe. Mir gings schlagartig körperlich echt mies. Ich bekam kaum Luft und der Magen zog  sich zusammen. Die Traurigkeit und Einsamkeit war fast nicht auszuhalten. Ich versuchte zu begreifen was genauso schlimm war. Mir fiel irgendwann auf, dass es mir so mies ging, weil es weder im Innen (also Familie) noch im Außen (der Ort an dem ich lebte) Sicherheit gab. In der Familie konnte/durfte ich mich nicht zeigen weil es nur darum ging das ich funktionieren musste und keinen Ärger machen durfte...und im Außen war der Missbrauch. Der fand letztlich direkt in dem Gebäude, in dem ich aufgewachsen bin, statt. Das was sonst meine kleine freie Welt war, war nun auch nicht mehr Sicher. Kein Wunder das ich damit total überfordert war und erstmal alles in Krankheit umgewandelt habe. Ich konnte ja nicht sprechen. Es fehlten die Worte und das Vertrauen. Und die Schule machte es mir nicht leichter….statt mich zu freuen war es ein weiterer Ort, an dem ich nicht zeigen durfte wie es mir eigentlich geht. Böser Teufelskreis!

 

Aber Ziel des EMDR ist es ja die ursprünglich negativ besetzte Erinnerung in eine positive zu wandeln/verarbeiten. Und das gelang mir gestern in unheimlich beeindruckender Art und Weise. 

Ich suchte nach dem, was mir als Kind ggf. geholfen haben könnte. Und das fiel es mir wie Schuppen von den Augen: der Glaube daran, dass sich etwas ändern wird, war zu diesem Zeitpunkt schon da. Und noch besser...er wurde kurz darauf so krass bestätigt...das ist rückblickend  fast beängstigend. 

 

Mit 6/7 lebte ich noch in der ehemaligen DDR. Die Grenzöffnung war noch lange nicht in Sicht. Ich weiß noch, dass ich dennoch abends im Bett lag und mir wünschte, dass wir in den Westen gehen können. Weit weg von dem Ort an dem ich zu dem Zeitpunkt lebte. 

 

Und im November 1989 geschah das „Wunder“. Meine Eltern packten kurz vor der Grenzöffnung ihre sieben Sachen und fuhren mit mir und meiner Schwester nebst Mann über die Tschechei in den West-Harz. Dort lebte ein Bekannter meines Vaters. Dieser Bekannte hatte zufällig eine freie Ferienwohnung in seinem Haus und überredete meine Eltern dort zu bleiben. Soviel Negatives ich für meinen Eltern empfinde...ich habe Respekt vor diesem Schritt. So komplett neu anzufangen mit Anfang/Mitte 40 bedeutet eine Menge Mut. Sie haben fast alles zurück gelassen. Ich musste auch meinen geliebten Hund zurücklassen...wusste aber dass dieser Schritt für mich auch nur gut sein kann. Und das in dem Alter. Ich wusste aus irgendeinem Grund schon als wir losgefahren sind, dass ich nicht wieder zurückkommen werde. 

 

Die Geschichte ist eigentlich viel zu groß um sie mit wenigen Worten zu beschreiben. Aber diese prägende Erfahrung sorgte bei mir dafür, dass ich eine Art Glauben (jenseits von Religion) entwickelt habe, dass sich Dinge ändern können. Und das auch noch in ziemlich konkreter Art und Weise. Wenn ich so auf mein Leben zurückblicke, habe ich fast immer das erreicht, was mich als „innere Vision“ geleitet hat. Auch das ist etwas unheimlich. 

 

Im EMDR gestern ging es noch etwas weiter. Mir fiel auf, dass ich eine sehr gute Intuition habe. Eigentlich weiß ich immer ganz gut Situationen einzuschätzen. Ich verlasse mich manchmal einfach nur nicht darauf und dann ärgere ich mich im Nachhinein. Gerade wenn dadurch Probleme verhindert werden könnten. 

 

Ich möchte in der Zukunft mir und meiner Intuition endlich richtig vertrauen. Und ich glaube, seitdem ich die ganzen Ängste so gut verarbeitet habe, ist hierfür auch endlich die Grundlage geschaffen….!!!!

 

 

All das ist wieder in nur 30 Minuten EMDR passiert…. Das ist wirklich unglaublich. Nach der Stunde bin ich diesmal mit dem Motorrad nach Hause gefahren und es schoss mir wahrend der Fahrt immer wieder ein Wort durch den  Kopf: FREI!!!!!! Ich fühle mich endlich FREI! Das ist ein so schönes Gefühl...da kommen glatt die Tränen!!!!

 

Passend dazu mal wieder ein Video-Trip in die Jugend….

 

 

Touched die Zweite

Vor zwei Tagen hatte ich nun endlich die Chance "Touched" tatsächlich nochmal anzuschauen. Und diesmal mit meiner besten Freundin als Begleitung. Das es diese Chance nochmal gab war einfach wundervoll. Ich konnte das Stück diesmal mit ganz anderen Sinne aufnehmen. Im Februar war alles noch überschattet von der großen Angst vor jeder einzelnen Szene. Vor der Angst vor "dem Blick in den Spiegel". Das dieser Blick mich so dermaßen beflügeln würde, hätte ich niemals erwartet. Im Februar wirkte das Stück als Türöffner endlich zu sehen was ich alles geschafft habe und wie Stolz ich darauf sein kann. Es war der Schlüssel, den ich seit dem Herbst noch verzweifelt gesucht habe. Ich konnte in den darauffolgenden Wochen an Themen wie "sich wertvoll fühlen" oder "LIEBENSWERT zu sein arbeiten". Das gab mir ganz neue Energie. Ich fühle mich im wahrsten Sinne wie neu geboren. Voller positiver Energie. Ich konnte mit dieser Kraft auch noch ein paar schwierige Erinnerungen bearbeiten. Dazu fehlte mir vorher neben der Kraft auch der Mut. Nun ist die Angst weg...und Leben fühlt sich endlich nach Leben an!

 

Ich habe auch nicht mehr die Angst davor gesehen zu werden. Wie unangenehm war mir noch der Ganz zur ersten Vorstellung von "Touched". Diesmal war es mir total egal dort gesehen zu werden. 

 

Ich habe aus dieser Vorstellung ganz neue Aspekte mitgenommen. Zum einen wie wichtig "Beziehungen" bei meinem Heilungsweg waren. Vertrauensvolle Beziehungen ob nun zu den Therapeuten oder zu Freunden. Durch die traumatischen Ereignisse in der Kindheit wurde mein Vertrauen in andere Menschen auf so undenkbare Weise erschüttert. Ich blieb daher immer "geschützt in meiner eigenen Welt." Stück für Stück habe ich mich aber auf dem Weg der Heilung gegenüber anderen Menschen geöffnet. Und mit jeder einzelnen kleinen positiven Erfahrung war es möglich das Vergangene besser zu  verarbeiten. Es sind immerhin die Beziehungen die uns lebendig fühlen lassen. Eine Art Verbundenheit zu spüren ist nun mal unsere menschliche Natur. Das an diesem Abend nun meine beste Freundin an meiner Seite war, war einfach nur schön. Sie hat nun auch eine erweiterte Sichtweise auf viele Dinge und mein Leben. 

 

Ich nehme von dem Abend auch neue Sichtweisen zum Verhalten meiner Mutter mit. Sie konnte wahrscheinlich einfach keine gute Beziehung zu mir aufbauen. Sie hatte auch keine gute Kindheit und hat im Endeffekt  weitergegeben was ihr geschehen ist. Ich bin froh, dass ich aufgewacht bin. Sie wird es ihr Leben lang wohl nicht. Das ich es nicht als gegeben hinnehme eine so starke Bindungsstörung zu akzeptieren. Ich bin froh Menschen in mein Leben gelassen zu haben die mir helfen und mich annehmen wie ich bin...und die an mich glauben. 

 

Ich war am Freitag Abend auch sehr erstaunt darüber, dass ich die auftauchenden Gefühle aushalten konnte...ich habe keine Kopf- oder Rückenschmerzen bekommen. Das ist so viel Wert.

 

Am Ende der Vorstellung überraschte ich mich und meine beste Freundin einmal mehr. Im Rahmen der Podiumsdiskussion meldete ich mich nicht zu als erste zu Wort, sondern sagte auch noch, dass ich Betroffene bin vor diesem Publikum. Ich handelte vollkommen aus einem spontanen Reflex...und es tat unwahrscheinlich gut mal alle Filter im Kopf auszuschalten und einfach zu SEIN!

 

Ich bin Denise Stellmann und ihrer Truppe so unendlich dankbar für diese beiden wundervollen Abende und die daraus entstandenen Effekte für mich und mein Leben! 

 

Aus einer Eingebung heraus habe auch ich meinen "Healing-Moment" in Bilder gefasst. Der Kontakt zu dem unschuldigen und offenen Wesen, als welches ich zur Welt kam, hat mir schon vor längerer Zeit den Weg zur Heilung geebnet. In "Touched" wurde genau dieser Moment auf so passende Weise visualisiert....daran angelehnt habe ich soeben auch die passenden Bilder gefunden!

 

Ich habe meine angestrebten 100 % Heilung nun erreicht... jetzt mache ich mich auf den Weg zu 100 % Leben!!!!

 

 

Kreativität

Anhand meiner Blog-Beiträge und meinen Arbeiten an der Homepage merkt man vielleicht, dass ich etwas aktiver geworden bin. Wobei aktiv hier nicht das richtige Wort ist. Ich merke, in gewisser Weise, dass ich meiner Kreativität viel mehr Raum gebe. Es hat sich in den letzten Wochen so viel in mir verändert, dass einfach ganz viel raus muss. Ich sprudel praktisch vor Energie. 

 

Heute ist mir aufgefallen woran es liegen könnte, dass ich so viel Power habe. Seitdem die Ängste verschwunden sind, habe ich natürlich auch weniger Angst davor mich zu zeigen. Und zwar so zu zeigen wie ich bin. Aufgrund meiner Erfahrungen in der Kindheit habe ich immer nur gelernt mich nicht zu zeigen. Gesehen werden war bei der Art von Mutter einfach zu gefährlich. Am besten lief alles, wenn ich keine Ärger gemacht habe und sie nicht weiter mit meinem Befinden belästigt habe. Eine der wenigen Möglichkeiten Aufmerksamkeit von ihr zu bekommen war Krankheit. Nicht umsonst litt ich als 4jährige schon an Migräne mit Übelkeit und Erbrechen. Das war keine schöne Zeit. 

 

Ich musste mich und meine Gefühle verstecken. Sie waren nicht erwünscht. Als natürliche Entwicklung verlor ich in diesem Umfeld ja jeden Zugang zu meinen eigenen Gefühlen.

 

Nun sind die Gefühle wieder da. Und nun traue ich mich langsam Schritt für Schritt mich wieder zu zeigen. Dadurch das die Angst vor der Reaktion des Gegenüber sind weg. Und selbst wenn eine unpassende Reaktion kommt, habe ich das Vertrauen in mich mich entsprechend schützen zu können.Ich kann viel offener mit Menschen umgehen. Dadurch eröffnen sich ganz neue Horizonte.  

 

Allerdings war die Kreativität ja nie ganz weg. Schon in ganz jungen Jahren schrieb ich Gedichte. Auch bereits zu Beginn der Therapie waren es immer wieder sehr kreative Ideen, die mir geholfen haben. Ich erinnere mich da an eine größere Anzahl ausgedruckte STOP-Schilder in meiner Wohnung als  die Suizidgedanken Anfang 20 so einnehmend waren. Ich suchte immer wieder Wege mich auszudrücken. Auch wenn ich total unmusikalisch bin, inspiriert mich Musik immer ungemein. Songs mit tollen Texten liebe ich total.  Allerdings muss das alles freiwillig passieren. Man wollte mich mal in einer Klinik zur Ergo-Therapie nötigen. Da habe ich zuerst total dicht gemacht und mich verweigert hinzugehen. Später bin ich heimlich in den Werkraum gegangen...und zum Schluss sind Bilder und Gegenstände entstanden die ich heute noch bei mir stehen/hängen habe. Jetzt rückwirkend betrachtet war die Ergo-Therapie eigentlich nur so ein rotes Tuch für mich, weil dort ja auch die Therapeutin war und sie nicht sehen sollte was ich „erstelle“. Ich hatte Angst vor ihrer Bewertung und ihrer Korrektur. Das macht natürlich aus heutiger Sicht total Sinn. 

 

Selbst in den EMDR Sitzungen bin ich manchmal sehr erstaunt welche kreativen Ideen da aufkommen um einen Dreh zu den positiven Assoziationen zu bekommen. Manchmal muss man seinem Hirn einfach mal freien Lauf lassen...das weiß dann schon was gut für einen ist.

 

Die Sache mit dem Vertrauen

Heute schreibe ich über etwas...das so naheliegend ist...dass es mir fast etwas peinlich ist es überhaupt so detailiert aufschreiben zu müssen. Aber daran sieht man wie die naheliegensten Erkenntnisse i.Z.m. traumatischen Erlebnissen ausgeblendet werden.

 

Ich habe vor einigen Tagen auf Instragram ein paar Zeilen über Angst gelesen. Dort wurde beschrieben, dass der nicht das Gefühl von Sicherheit die Angst nehmen kann...sondern dass es das Vertrauen ist! Das war wie regelrechte Erleuchtung für mich…

 

Ich habe im EMDR so oft die Angst bearbeitet und als positive Emotion dazu formuliert „ich bin in Sicherheit“. Klar hat sich dadurch schon unheimlich viel verändert. Aber ich konnte dieses „ich bin in Sicherheit“ ehrlich gesagt nie so 100 % verankern. Irgendwas streubte sich dagegen. Und in diesem Instagram-Post wurde erklärt, dass es einfach keine Sicherheit gibt und daher Sicherheit nur ein Scheingefühl ist um Angst in den Griff zu bekommen. Klar ist es z.B. sicher wenn man das Wohnzimmer nicht mehr zu verlässt weil man Angst hat z.B. Opfer eines Gewaltverbrechens zu werden. Aber ….was ist mit Tätern die ins Haus einbrechen...um das mal ganz naiv zu sagen. Ganze Branchen leben davon, dass sie vermeintliche Sicherheit verkaufen und spielen mit den Ängsten von Menschen...und glaubt mir...das ist verdammt einfach!

 

Letztlich kann tatsächlich nur Vertrauen helfen die Ängste in den Griff zu bekommen. Das Vertrauen in sich selbst und seine Fähigkeit sich z.B. zu wehren...das Vertrauen in seine Mitmenschen...das die einem nichts böses wollen...das Vertrauen in Freunde denen man sich „anvertraut“...das Vertrauen in Ärzte, das diese einem helfen können….und letztlich das Vertrauen darin, das alles gut werden wird.

 

In mir wurde das Vertrauen in jungen Jahren auf so böse Art und Weise zerstört...dass ich immer nur versucht habe „sicher“ zu leben. Nur reine Sicherheit...oder wie man es in der Traumatherapie eher bezeichnet...reine Stabilität….helfen einem nicht endgültig weiter. Man muss wieder Vertrauen fassen….ich musste das Vertrauen erst in andere Menschen aufbauen...dann dann Vertrauen in mich. Bei manch einem funktioniert der Weg vielleicht auch andersrum. In der letzten Stunde bei meinem Therapeuten kamen wir genau an diesen Punkt. Es sind noch Situationen zu bearbeiten in denen es so existentiell um Vertauen geht….und ich glaube nun habe ich den Schlüssel in der Hand, den ich monatelang gesucht habe. 

 

Mir fällt jetzt gerade dazu ein, dass ich vor vielen Jahren...als ich am Beginn des Heilungsprozesses stand, sehr viele  Videos vom Neurobiologen Gerald Hüther bei YouTube angeschaut habe. Er hat damals schon immer wieder eine Erkenntnis wiederholt, die genau dieser Vertrauenstheorie entsprich. Ich habe das damals nun immer und immer wieder angehört...konnte es aber nie verstehen….nun ist der Groschen endlich gefallen….

 

Nachfolgend ein kleines Erklärungsvideo von Dr. Gerald Hüther zum Thema Kreislauf der Angst. Es lohnt sich auch die anderen Vortäge/Interviews von Dr. Gerald Hüther mal bei bei YouTube zu schauen. 

 

Der richtige Fokus

Eigentlich wollte ich über das Wochenende ja den „Weg ins Trauma“ niederschreiben. Aber stattdessen habe ich lieber das neue Buch von Jan Becker „Entspannt schaffst du alles“ gelesen. Jan Becker ist wohl ein relativ bekannter Hypnotisieur / Mentalcoach. Er  tritt des öfteren im TV auf und hat mehrere Bücher geschrieben. Das neue Buch ist aus einer persönlichen Krise heraus entstanden. Obwohl er alle guten Tipps und Tricks kennt ist er Opfer des Stresses geworden und sein Körper hat irgendwann aufs Heftigste gestreikt. Da half ihm im ersten Moment all sein Wissen nichts mehr. Er hat es aber geschafft sich in ganz kleinen Schritten selbst zu helfen. Diese Schritte beschreibt er in dem Buch ziemlich anschaulich. Er beschreibt wie sehr es auf die eigenen Gedanken ankommt und wie man damit sein Wohlbefinden und seine Stimmung beeinflussen kann. Ich habe schon einige Bücher zu dieser Thematik gelesen. Und was im ersten Moment immer logisch klingt, lässt sich oft nicht in den Alltag einbauen. 

 

Diesmal habe ich das Buch jedoch sehr intensiv gelesen und auch immer mal wieder zur Zeit gelegt und mich selbst reflektiert. Gestern Abend kam mir dann die Idee, (erstmal) nicht dem Weg ins Trauma zu beschreiben. Sondern was mir geholfen hat, die notwendige Stärke zu entwickeln den Weg der Heilung zu gehen. Ich will damit den Fokus von den  „schlechten Erlebnissen“ in meiner Kindheit hin zu den  „guten und und stärkenden Fähigkeiten“ die sich trotz allem ausgebildet haben. Diese Frage ist deutlich schwerer zu beantworten. Aber ich will es versuchen. Viele Menschen halten es für naiv oder ganz unmöglich in schlechten Dingen etwas gutes zu erkennen. Wenn einem das aber gelingt, ist man dem inneren Frieden wahrscheinlich ein ganz schönes Stück näher gekommen!

 

Wenn ich an das Thema denke fällt mir zuerst einmal die starke Vernachlässigung ein. Ich bin dadurch unheimlich früh selbsständig geworden. Ich habe dadurch z.B. bereits früh gelernt für mich alleine zu kochen, da war ich ca. 9 Jahre alt. Und ich habe dadurch eine einigermaßen gute Allgemeinbildung. Ich habe nämlich schon früh einen eigenen Fernseher bekommen und habe mit Vorliege immer Quizshows geschaut. Jeopardy war meine Lieblingssendung. Und ich habe meine Leidenschaft für Büchereien entdeckt. Ich war ganze Nachmittage lang immer in der Stadtbibliothek und habe dort ewig gelesen und geschaut. Immer wenn ich heute in einen Buchladen kommen habe ich ein wohliges Gefühl. Ich habe es grds. Gelernt mich alleine zu beschäftigen. Auch wenn das später eher schwierig wurde.

 

Ich habe auch viel Kreativität entwickelt. Um die Einsamkeit besser zu ertragen habe ich irgendwann angefangen mir eine Phantasiewelt zu erschaffen in der alles anders ist. Ich habe stundenlang im Bett gelegen und mich in meine eigene Welt geträumt. Es war ein Überlebensmeachnismus, der mir später beim Erreichen meiner bisherigen Ziele immer wieder geholfen hat. Jan Becker würde es wahrscheinlich als Paradebeispiel für Suggestionen sehen. Im Grunde habe ich heute das, was ich mir jahrelang vorgestellt habe erreicht! Aber das Träumen lasse ich mir nicht mehr nehmen. Heute habe ich das hauptsachlich noch in Verbindung mit Urlaubsreisen. Ich visualisiere mir meine Ziele und arbeite daraufhin.

 

Im Grunde hat sich auch eine Art Zielstrebigkeit entwickelt. Im Alter von 14 Jahren kam mein Berufswunsch auf. Und obwohl ich immer relativ schlecht in der Schule war…starte ich ab dem Zeitpunkt voll durch, weil ich ein Ziel vor Augen hatte, dass mich aus meiner Situation befreien konnte. Ich wurde richtig gut in der 9. und 10. Klasse. 

 

Der Gewalt und dem unberechenbaren Verhalten meiner Mutter etwas abzugewinnen ist schon etwas schwerer. Ich habe dadurch gezwungener Maßen ein gutes Gespür für andere Menschen und ihre Stimmungslage entwickelt. Ich glaube ich beobachte Menschen dadurch etwas anders. Das kann in größeren Menschenmengen auch schnell überfordern. Aber im meinem Job war/ist diese Gabe eigentlich sehr positiv. Ich achte auch auf Sicherheitsaspekte wie Abstand und Distanz ganz anders. Wenn mir, vor allem unbekannte Menschen, zu nah auf die Pelle rücken schaffe ich ganz schnell wieder Distanz. Wahrscheinlich ist meine Gefahr erneut Opfer zu werden eher geringer als bei Menschen ohne diese Erfahrung.

Ich weiß zudem wie wertvoll Vertrauen in andere Menschen ist, aber ich trauen jedem Menschen potentiell zu, dass er dieses Vertrauen auch brechen kann. Ich bin vertraue sozusagen nicht naiv. Das ist etwas schwer zu beschreiben….vielleicht könnt ihr es aber ja nachvollziehen! So ein bißchen nach dem Motto: Wer das Böse kennt, weiß das Gute zu schätzen. 

 

Jetzt wo ich den Zugang zu meinen Gefühlen wiedergefunden habe, weiß ich wie exitentiell wichtig Emotionen für das Leben sind. Und das lasse ich mir nie wieder nehmen! 

 

Dadurch, dass ich es geschafft habe mich 2012 komplett von meinen Erzeugern zu lösen weiß ich, dass ich auch alleine überleben kann. Auch wenn das immer anders suggeriert wurde. Ich bin ein eigenständiger Mensch. 

 

Die Königsdisziplin ist es allerdings dem sexuellen Missbrauch etwas „Postives“ abzugewinnen. Das stellt mich vor eine ganz schön krasse Aufgabe... 

 

Fange ich mal einfach an: Ohne den Missbrauch würde es diesen Blog nicht geben. Und Dank einiger ganz lieber Rückmeldungen weiß ich, dass er für einige Menschen sehr hilfreich ist. Alleine nur einem Menschen damit zu helfen ist schon etwas „Positives“.  Als Zweites fallen mir zwei ganz liebe Menschene in, denen ich sonst niemals begegnet wäre. 

 

Hmm vielleicht habe ich dadurch...und durch den Weg der Heilung...eine ungeahnte Stärke gewonnen „schlechte Dinge“ auszuhalten. 

 

Und natürlich etwas sehr Positives: Ich habe überlebt. Es gibt leider viele Kinder die Missbrauch mit ihrem Leben bezahlen….ob nun bei der Tat oder Jahre später nach der Tat als Erwachsene durch Selbstmord…..

 

Diese Erkenntnis muss ich nun erstmal sacken lassen…. stay tuned…..

 

Sei immer du selbst

Grandios......das ist mein aktuelles Lieblingswort.Alles ist grandios und mir geht es grandios. Ich weiß gar nicht genau was passiert ist...aber es fühlt sich an als sei ein riesiger Knoten geplatzt. Ich fühle mich sicher und frei. Gefühle die sich so noch gar nicht gekannt habe. Ich könnte platzen vor Glück. Ich genieße jede Minute und lebe endlich mal im Moment. Ich bin körperlich viel entspannter und nicht mehr unter dauerhaft unter Strom. Selbst die Arbeit klappt momentan viel besser.Ich genieße die Zeit mit meinen Liebsten viel intensiver. Ich bin nicht mehr so ausgelaugt und energielos wie sonst immer.

 

Was genau hat das alles bewirkt? Der Wutbrief....die Beschäftigung mit dem "sich wertvoll fühlen"....oder das Gefühl doch LIEBENSWERT zu sein.... Es waren viele kleine Schritte in den letzten Monaten die zu diesem Zustand jetzt geführt habe. Ich habe nochmal dahin gesehen ob es weh tut. Das hat mich nun viel stärker gemacht. Ich habe keine Angst mehr. Das was früher passiert ist, ist nun wirklich vorbei. 

 

Das schönste aber ist....ich kann endlich zu mir selbst stehen. Ich versuche meine Vergangenheit nicht mehr zu verstecken. Ich stehe zu mir als Mensch....  Lange hielt ich es absurder Weise für einen Makel Opfer von Missbrauch und Gewalt zu sein. Das klingt für jeden Menschen, der soetwas nicht erlebt hat, sehr absurd. Betroffene können das aber 1:1 nachvollziehen. Man sucht die Schuld, dass das alles passiert ist zunächst bei sich selbst. Man fühlt sich dadurch einfach wertlos und wehrlos. Man versteckt sich lieber, als diese "schwache Seite" zu zeigen. Dadurch wird das ganze Leben zu einem Spießroutenlauf. Oft verliert man sich selbst dabei völlig. Mein zeigt keinem sein wahres Innenleben. Selbst vor Freunden oder Familienmitgliedern zeigt man sich.

 

Ich habe auch erst nach Jahren meine engsten Freunde eingeweiht wie es mir geht. Und das tat dann letztlich verdammt gut. Ich habe positive Erfahrungen sammeln können. Ich konnte so wieder Vertrauen in andere Menschen finden.

 

Ich fühle mich erste heute soweit, dass ich mich "zeigen" kann. Weil ich mich nun selbst endlich annehmen kann. Mit all meinen Macken und meiner Geschichte. Für die ich beiweiten sehr wenig kann. Ich kann mich nun endlich auch entfalten und mein Potential entdecken. 

 

Gestern hatte ich einen kleinen Schreibanfall und habe den Weg der Heilung mal ausführlich beschrieben. Es sollte eigentlich ein Blog-Beitrag werden. Naja...dann ist das mit dem Schreiben etwa ausgeartet und schwupps waren es sechs Seiten in kleiner Schrift. Daher ich habe ich es eigenen Unterpunkt im Menü aufgenommen. So wird meine Seite Stück für Stück etwas "runder". Heute früh im Bett ist mir aufgefallen, dass nun nur noch der Weg ins Trauma fehlt. Ich habe dies alles bereits vor Jahren einmal aufgeschrieben. Ich denke, dass werde ich verwenden. Muss es nur mal suchen. Diese dunkle Seite zu zeigen ist sicher nicht einfach. Aber es fühlt sich richtig an.

 

Hier ist der Weg zur Heilung!

 

 

Das eine Prozent

Getragen von meiner aktuellen Euphorie bin ich gestern noch zu einem Termin bei meinem Therapeuten gefahren. Natürlich habe ich ihm erstmal lang und breit von der wundervollen "Nebenwirkung" der Party berichtet. Das war ja auch die perfekte Ergänzung zum Thema "sich wertvoll fühlen" vom letzten Termin. Aber der Effekt der gelösten Handbremse führte dazu, dass fast 40 Minuten nur geredet habe. Obwohl wir uns nun seit über 6 Jahren kennen, hat er gestern noch so einige neue Dinge über mich erfahren die völlig neu waren.. Ich habe viele Details meiner Vergangenheit erzählt, über die ich bisher immer geschwiegen habe. Weitestgehend ging das auch wie von alleine. Und da wo ich doch mal tief durchatmen musste, setzen wir in den folgenden Stunden nochmal an. Es gibt da noch ein Thema um das ich mich bisher immer sehr erfolgreich gedrückt habe. Ohne dazu ins Detail zu gehen, es handelt sich um das Thema Sexualität. Jeder Betroffene von sexueller Gewalt weiß welche schwerwiegenden Folgen diese Taten auf die eigene Sexualität haben. Ob nun Missbrauch im Kindesalter oder im Erwachsenenalter....es ist danach nichts mehr wie es war...oder wie es sein sollte. Der Weg zur einem natürlichen Umgang damit ist extrem schwer. Aber es ist nicht unmöglich. Auch hier ist es wichtig die abgespaltenen Gefühle geordnet zu bearbeiten damit sie sich nicht weiter negativ auswirken können. 

 

Aber für mich das das jetzt nur noch das eine fehlende Prozent zur erfolgreichen Therapie. Es hat sich schon sooooo viel verändert und es geht mir momentan so gut wie niemals....! Aber ein wenig Perfektionistin steckt ja doch in mir und dieses verlorene Prozent hole ich mir nun auch noch zurück!!!!

 

Passend zum Thema ist mir der Lieblingssong meiner Bravo Hits 12  CD eingefallen als kleiner Rückfall in meine Jugendzeit  :)

Ich bin LIEBENSWERT

Seit ca. einem habe Jahr ich irgendwie immer das Gefühl, als wäre noch die Handbremse in meinem Lebens angezogen und ich wusste nicht was mich so bremst.  Alles lief doch bestens. Die Vergangenheit wurde immer besser verarbeitet doch irgendwas fehlte emotional noch. Es war ganz komisch. In den letzten Monaten fügten sich ja dann nach und nach alle Bausteine und am vergangenen Wochenende wurde die Bremse wohl endgültig gelöst.... 

 

Die Mega Party...vor der ich solche Angst hatte...hat alles verändert! Ich hatte ja die ganzen Wochen  Albträume das keiner kommt und die Leute sich nicht wohlfühlen und und und....aber was dann in Realität geschah war der reine Wahnsinn. Die Party war der Oberhammer. Ich habe selten so viele glückliche und feiernde Menschen gesehen. Von Arbeitskollegen über Freunde bis Verwandte waren alle da. Es waren weit über hundert Leute da. Und alle so genial drauf. Alle Vorbereitungen haben sich da gelohnt. Wir hatten zwei Live Bands die die Bühne gerockt haben.

 

Und trotz aller Panik ging es mir sooooooo gut. Ich habe sogar noch eine Ansprache auf der Bühne gehalten und um 04 Uhr morgens den letzten Gast persönlich verabschiedet. Meine besten Freundinnen standen uns den ganzen Abend mega süß zur Seite. 

 

Und heute morgen im Bett machte es dann KLICK! Was mir bisher fehlte war das Gefühl LIEBENSWERT zu sein. Durch den ganzen Müll in meiner Kindheit und  Jugend fühlte ich mich nie LIEBENSWERT. Und als mit Anfang 20 der erste Mensch in mein Leben trat, der mir dieses Gefühl vermittelt hat...da brach in mir großes Chaos aus....und es dauerte fast 20 Jahre um das Chaos zu verstehen! 

 

Klar habe ich heute ganz liebe Menschen um mich.....für die ich ganz ganz wichtig bin. Aber ich selbst hielt mich nie für LIEBENSWERT. Das macht jetzt alles so einen großen Sinn!!!!  Unglaublich! Ich bin heute fast high vor Glück!!! Einen Moment den man am liebsten einfrieren würde.  Es gibt so viele tolle Menschen die mich mögen...da wird es doch endlich Zeit, dass ich mich selbst auch mag! Mit allen Ecken und Kanten....aber wie heißt es so kitschig....ein Diamant ist auch nicht rund. In diesem Sinne...ich muss weiter aufräumen gehen und vielleicht noch etwas nachfeiern!!!!

Das Positive sehen

Heute ist ein Tag, an dem es so wichtig ist den Fokus mal auf die positiven Entwicklungen der letzten Monate zurückzublicken. Denn objektiv betrachtet könnte ich sagen ich bin gerade wieder drei Schritte zurück gegangen. Aber näher betrachtet stimmt das nicht. Nach drei sehr schlaflosen Nächten bin ich heute früh "wieder nicht hochgekommen". Ich brauchte mal wieder eine Auszeit. Eigentlich liefen die letzten Wochen ja sehr gut. Aber ich habe wieder angefangen Ängste zu verdrängen. Das Gute: Ich bemerke die Angst...doch ich kann nicht so recht damit umgehen. Es sind auch nicht die diffusen Ängste wie früher. Ich weiß sehr konkret welche Ereignisse mich ängstigen. Ich weiß nur nicht welchen Hintergrund das hat denn die Auslöser sind relativ banal. Naja...vielleicht doch nicht so banal. Zum einen stresst mich jetzt schon seit einigen Wochen eine Party die ich bzw. wir am Wochenende geben werden. Eine Party zu der ca. 150 Leute kommen. Eigentlich alles Menschen die ich sehr mag und mit denen wir einfach mal feiern wollen. Allerdings habe ich bereits seitdem wir die Party geplant haben immer wieder Albträume davon. Und ich kann nicht wirklich definieren was mich so triggert in dem Zusammenhang. Sind es die vielen Menschen, das ich in dem Zusammenhang nicht alles kontrollieren kann, oder ist es ein Problem im Mittelpunkt zu stehen an dem Abend...oder das ich alle Menschen zufriedenstellen will. Vielleicht sollte ich den Trick versuchen und mir vorstellen was mir im Zusammenhang mit der Party am im schlimmsten Falle passieren könnte. Dieses Gedankenspiel mache ich gleich mal beim Gassi gehen...vielleicht bringt es ja Beruhigung wenn ich merke wie irrational die Angst ist.

 

Das zweite Thema das Angst erzeugt ist eher medizinisch. In meinem Schienbein wächst seit ein paar Monaten ein Knubbel kontinuierlich. Zuerst habe ich den ignoriert. Nun wurde er aber immer größer und deutlich spürbarer. Ich war beim Arzt und das Ultraschall ergab das da etwas unter der Haut ist. Es ist ca. 1 x 3 cm groß. Ich soll nun zum MRT. Den Termin habe ich zum Glück schon morgen. Auf der Überweisung steht unklarer subkutaner Tumor. Seit dem ich die Überweisung bekommen habe versuche ich das beiseite zu schieben. Unterbewusst mache ich mir dazu aber anscheinend doch mehr Gedanken als mir lieb ist. Eigentlich eher wegen einer anderen Tatsache. Ich hadere ja immer mal wieder mit meinem Job...und vor einigen Wochen habe ich mir gesagt, dass ich den Job aufgeben sollte ich irgendwann Krebs bekommen. Das ist alles etwas makaber...ich weiß...und noch immer sage ich mir das das Ding im Bein sicher harmlos ist....aber das ich so schnell meine Aussage von damals konkret bedenken muss ist schon heftig. Das stellt einiges in Frage....Fragen die ich zu gerne ignoriere. 

 

Und nun ist es an der Zeit das Positive zu sehen. Ich nehme alle diese Vorgänge in mir bewusst wahr. Ich somatisiere nicht bis zum abwinken. Ich bin körperlich zwar nicht mega fit...aber ich habe auch keine Schmerzen. Was will man mehr...

 

Nun muss ich den Kopf mal etwas frei bekommen...zum Glück ist Sturm in Norddeutschland ;)!

 

Und wieder das passende Lied dazu gefunden........

 

Wertlos die Zweite

Die EMDR Sitzungen sind zur Zeit immer ein Überraschungspaket. Im Gegensatz zu früher gehe ich zur Zeit meistens ohne ein spezielles Thema zu den Stunden. Aber irgendwie kommen wir dann doch tatsächlich immer wieder zu genau zu den fehlenden Puzzelteilen. Heute ging es nochmal um das Gefühl der Wertlosigkeit. Bereits als wir den Missbrauch bearbeitet haben, war das schon mal ein sehr wichtiges Thema. Ich hätte daher nicht erwartet, dass ich nochmal doch recht emotional mit diesem Gefühl in Kontakt kommen könnte. Diesmal ist es aber eher mit Erinnerungen an meine "Familie" verbunden. Meine Mutter war sehr dominant und Sprunghaft in ihren Emotionen. Meine persönliche Entwicklung stand immer im Spannungsfeld der unbeständigen Reaktionen ihrerseits. Ihre wütende und gewalttätige Seite gab mir so oft das Gefühl wertlos zu sein. Und das ist ein Gefühl, dass man auch nicht durch gutes Zureden der Außenwelt leicht verändern könnte. Klar bin ich für meine neue Familie und meine Freunde oder für meine Arbeitskollegen wertvoll. Aber das meine ich nicht. Und da wurde es in der EMDR-Stunde fast etwas philosophisch. Es geht um das innere Gefühl etwas wert zu sein. Wie gibt man sich selbst dieses Gefühl wenn es sich nie entwickeln konnte. Sich selbst etwas wert sein...sich selbst wichtig nehmen...natürlich ohne abzuheben. 

 

Ich war in der Stunde sehr ratlos wie sich ein solches Gefühl nur entwickeln soll. Auf der Fahrt nach Hause kam mir letztlich nur ein erster Ansatz: Die Stimme, die mir immer wieder sagt, dass ich wertlos sei, muss einfach leiser werden oder im besten Fall ganz verstummen. Erst dann kann die zarte Pflanze des Gefühls "WERTVOLL" zu sein, wachsen. 

Wutbrief

Ich kann die heutige Stunde bei der Osteopathin gerade nicht ausführlich beschreiben. Aber es ging um Gefühle...und um Wut. Mir wurde klar, dass ich Wut nie zeigen durfte. Und so fraß ich sie in mich rein und zerstörte mich fast selbst. Damit ist heute zum Glück Schluss. Ich habe auf der Fahrt nach Hause überlegt wie ich mit der Wut umgehen kann. Eine Konfrontation ist zwecklos... von daher war plötzlich das Naheliegende offensichtlich. Ich kann heute Worte nutzen. So entstand gerade der nachfolgende Wutbrief....und er hat genau hier seinen richtigen Platz:

 

 

 

"Meine Waffe ist das Wort. Nach 35 Jahren gibt es keine andere Möglichkeit sich gegen euch zu wehren. Meine Wut und meine Trauer habt ihr nie erlaubt. Ich sollte funktionieren wie ein dressierter Affe und sollte keine Schwierigkeiten machen. Wie es mir dabei geht hat euch nicht interessiert. Wie ich als zweijähriges Kind die Einsamkeit und eure unbeständigen Launen ertragen konnte hat euch nie interessiert. Ich durfte keinen Ärger machen. Meine Bedürfnisse waren euch egal. Wichtig war es nur nach außen zu glänzen. Später wurde jede gezeigte Wut nur mit noch mehr Ärger bestraft. Als logische Konsequenz verdrängte ich all diese Gefühle und wurde krank. Aber auch das machte euch nicht stutzig. Wie sollte ich ohne Worte sonst ausdrücken wie sehr ich alles zum Kotzen fand…. Und da sich auch dadurch nichts veränderte richtete sich all die Wut plötzlich gegen mich selbst. Von euch Schutz und Sicherheit zu erwarten war wohl zu viel verlangt. Ihr hattet keinen blassen Schimmer wie es mir geht…denn ihr wolltet es gar nicht wahrnehmen. Es hätte euer Leben nur komplizierter gemacht. Danke auch! Ihr habt es geschafft, dass die Wut mich fast aufgefressen hat. Sie hätte mich fast zerstört. Sie hat dazu geführt, dass ich Menschen die es gut mit mir meinten sehr verletzt habe. Das Beste in meinem Leben war die Entscheidung nichts mehr mit euch zu tun haben zu wollen. Ihr habt mir so lange einreden wollen wie „gut“ ihr es doch mit mir gemeint habt. So lange, dass ich es fast selbst geglaubt habe. Aber so geht man mit einem Kind einfach nicht um. Das habe ich nicht verdient! Ihr könnt mich heute nicht mehr verletzten. Ich habe keine Angst mehr vor euch. Ihr habt keine Macht mehr über mich. Ich bin erwachsen und kann mich wehren. Allerdings wäre jede Diskussion mit euch zwecklos. Ihr würdet lügen und bagatellisieren so wie damals, als ich es gewagt habe das alles anzusprechen. Vielleicht hattet ihr wirklich eure „Gründe“ so zu handeln…und irgendwie glaube ich auch, dass ihr mich irgendwie geliebt habt…allerdings machten es eure eigenen Probleme wohl anscheinend schwer das vernünftig zu zeigen. Im Gegensatz zu euch habe ich es geschafft die beschissene Vergangenheit hinter mir zu lassen und habe heute die Familie die ihr mir nie geben konntet. Ich kann Liebe geben und empfangen. Das was euch nie möglich war!!!! Ihr seid mir nun egal. Denn so geht man nicht mit einem Kind bzw. einem Menschen um!!!!!!"

Face the fear

Der Angst ins Gesicht zu sehen ist ein ganz schön krasser Weg. Recht spontan haben wir gestern im EMDR entschieden mit dem Gefühl, das jemand meine Kehle zudrückt, zu arbeiten. Allein die körperlichen Reaktionen wenn ich daran denke sind heftig. Klassische Angstreaktionen des Körper. Hitze, Schwitzen, erhöhter Blutdruck...genau das entsteht in wenigen Sekunden. Aber ich bin im Grunde froh die Angst nun so deutlich wahrzunehmen. Allerdings kann ich sie nur verarbeiten wenn ich weiß was dahinter steckt. Als ich hinspürte war sofort wieder das Gefühl festgehalten zu werden. Und später fiel mir auf, dass ich immer nur die Hand an meiner Kehle spüre und gar nicht die Person dazu. In dem Moment gab es einen richtigen Stich in meinem Herzen. Ich weiß, dass dieses Gefühl mit meinen Eltern zusammenhängt. Es ist keine fremde Person die damit zusammenhängt. Ich versuchte dann langsam den "Griff" zu lösen. Interessanter Weise wechselte sich dadurch etwas meine "Größe". Als der Griff noch da war, fühlte ich mich klein und wehrlos. Als der Griff sich lockerte wurde ich plötzlich größer und "erwachsener". In dem Moment erklärten sich mir auch meine Träume der letzten Wochen. Ich bin unheimlich stark geworden, habe mich aus dem "Griff" aber immer noch nicht gelöst. Das sorgt noch für die verdrängten Ängste. Vielleicht sorgt diese Angst auch noch dafür, dass ich Gefühle wie Trauer und Wut in Richtung meiner Familie immer noch blocke. Ich musste von Kleinauf meine Gefühle unterdrücken um keinen "Ärger" zu bekommen. Ärger der mit Gewalt zu tun hatte. Daß das einen riesigen Schaden verursacht  macht Sinn. 

 

Gestern Abend im Bett kam die Angst dann nochmal ganz deutlich spürbar hoch. Diese Reaktion hatte ich Anfang des Jahres ja schonmal. Damals somatisierte ich aber Nachts dann stark. Diesmal war die Angst ganz bewusst da und nicht auf körperlicher Art und Weise. Als ich geschlafen habe hatte ich seit langem mal wieder keine (Alb)träume. Also es verändert sich tatsächlich noch einiges. 

 

Wie es der Zufall so will habe ich heute direkt einen Termin bei der Osteopathin. Ich denke dafür war das gestern eine perfekte Vorarbeit. Ich weiß noch nicht was mich dort erwarten wird...aber was auch immer passiert...es wird genau richtig sein!

 

Für die Kleine:

 

Verdrängte Ängste

Im März habe ich ja eine kleine Therapiepause eingelegt. Es war ein Test wie alles so läuft. Und ich muss sagen, es geht mir nach wie vor ganz gut. Es hat sich einiges verändert durch die erneute Bearbeitung der Themen. Viele Ängste sind mir viel bewusster geworden und ich stelle mich dem Leben irgendwie ganz neu. Allerdings scheine ich noch immer irgendwas zu verdrängen. Ich habe ja kürzlich bereits von den Träumen geschrieben. In den letzten Tagen wiederholen sich die Träume, in denen ich mich gegen "Personen" wehren muss, immer öfter. Das ist schon etwas auffällig. Es sind ziemlich intensive Kämpfe und sie gehen eigentlich immer offen aus. Es gibt keinen Gewinner und keinen Verlierer. Allerdings sind die Kämpfe meist sehr brutal und gewalttätig...teilweise mit Messern und Schusswaffen. Ich sehe die Angreifer auch nie so richtig. Mal sind es Männer...aber vor zwei Nächten auch mal eine Frau. 

 

Da ich heute wieder zu meinem EMDR-Therapeuten fahre überlege ich natürlich etwas intensiver was hinter diesen Träumen steckt. Warum ich mich auf unbewusster Ebene noch immer in einem solchen "Kampfmodus" befinde. Es kam mir gerade eine Theorie dazu in den Sinn: Die Gewalt und der Missbrauch gingen ja von meinen Eltern aus. Das ganze aber unter dem Deckmantel der total heilen Familie. Meiner Mutter glaube ich in gewisser Weise sogar, dass sie es "gut" gemeint hat bzw. nicht anders konnte da sie auch aus einer lieblosen und gewalttätigen Familie stammt. Tja...und mein Vater....ihm glaube ich kein Wort...er wird seine Geheimnisse wohl mit ins Grab nehmen und eine Auseinandersetzung damit wird nie ehrlich möglich sein. Ich habe trotz allem erst 2012 geschafft den Kontakt komplett abzubrechen. Seitdem geht es mir ja immer besser. Dennoch gab es sozusagen nie eine "Aussprache" darüber...wenn man das überhaupt so nennen könnte. Es ist ein offenes Ende. Und umso älter sie werden...beide sind über 70...umso mehr Ängst habe ich davor, dass sie sich irgendwann melden könnten. Wenn ich an diese Angst denke werde ich tatsächlich wieder vier Jahre alt...das offene Ende habe ich damals so gewählt. Ich will einfach nur meine Ruhe davor haben. Aber holt es mich nun tatsächlich in den Nächten wieder ein? Welche andere Art der Verarbeitung gäbe es denn überhaupt? Klar verdränge ich dazu noch vieles...weil die Gedanken daran einfach schmerzhaft sind. Mir wurde Jahrelang eingeredet, das sie nur mein Bestes wollten...das Beste hätte mich fast ins Grab gebracht. Vielleicht muss ich mir meiner Gefühle ihnen gegenüber bewusster werden. Mir erlauben traurig und wütend zugleich zu sein. Vielleicht hören dann auch die Träume auf. In diesem Konflikt geht es heute nicht mehr darum, dass der Eine stärker ist als der Andere. Es geht darum sich wehren und abgrenzen zu können.  Eigentlich ist die Entwicklung in den Träumen ja ganz positiv zu sehen. Früher war ich immer ausgeliefert im Traum...das ist ja zumindest nicht mehr der Fall....am Rest arbeite ich fleißig weiter!

Träume - Fluch und Segen

Mir geht es ja momentan ziemlich gut. Dennoch träume ich nahezu jede Nacht ziemlich wirres Zeug. Diese Träume sind Fluch und Ansehen zugleich. Ein Fluch weil ich mich morgens immer total unerholt fühle und ich manchmal das Gefühl habe Tag und Nacht wach zu sein. Als ob ich ganze Nacht fern gesehen hätte. Und dabei manchmal ziemlich "packende" Thriller. Wenn das dann nahezu alle Nächte in der Woche der Fall ist geht man irgendwann einfach auf dem Zahnfleisch....

Allerdings sind mache Träume auch in gewisser Weise immer sehr Wegweisend für mich gewesen. Oder sie geben Hinweise auf Themen die noch bearbeitet werden müssen. Ich habe z. B. zwei wiederkehrende Traum-Themen die sich im Laufe der Jahre unheimlich verändert haben. Bereits in jungen Jahren, träumte ich immer dass ich einen Notfall habe und mit dem Handy Hilfe rufen wollte. In dem ersten Jahren konnte ich immer die Nummer 110 nicht tippen. Später konnte ich wählen aber nicht sprechen. In den neuesten Träumen dazu konnte ich dann endlich sprechen und Hilfe rufen. Das passte 1:1 zu meiner Entwicklung über das zu sprechen was mir passiert ist.

 

Ein anderes Traummuster ist, dass ich eine Waffe habe, sie aber nicht benutzen kann bzw. sie nicht trifft. Zuerst hatte ich immer allein schon Probleme die Waffe zu benutzen, später klemmte sie immer und in den letzten Träumen konnte ich zwar schießen, aber die Kugeln stoppen dem Angreifer einfach nicht. Sie sind wirkungslos. Genau so einen Traum heute Nacht wieder. Es zeigt das ich mich endlich wehren will, es aber noch nicht so richtig wirkungsvoll klappt. Ich fühle mich in gewisser Hinsicht noch immer ausgeliefert. Das passt natürlich genau zu dem was in der Therapie passiert. Aber trotzdem hab ich mich heute früh wie gerädert gefühlt.

Allerdings habe ich abends keine Angst mehr einzuschlafen. Ich lasse die Träume einfach kommen. Ob ich mich wehren oder Angst habe...die Träume machen was sie wollen!!! 

Atmen

Gestern bin ich erneut über einen großen Schatten gesprungen. Recht spontan hat sich ergeben, dass mich mein Lieblingsmensch mit zu dem Termin bei der Osteopathin begleitet hat. Das ist ein sehr großer Schritt für mich gewesen. Die Folgen des Missbrauchs und der Gewalt haben natürlich auch immer mal wieder Auswirkungen auf die Beziehung. Wobei das natürlich früher bzw. in früheren Beziehungen noch viel schlimmer war. In jungen Jahren konnte ich ja kaum Nähe ertragen. Das hat sich ja schon sehr verändert. Trotzdem fällt es mir noch immer oft schwer zu reden über das was in mir vorgeht. Ich versuche das alles mit mir auszumachen und natürlich merkt jemand der einem so nahe steht trotzdem was los ist. Irgendeine innere Stimme sagte mir, dass es gut wäre zu zweit zu dem Termin zu gehen und so fegte ich alle Bedenken beiseite und auch die Osteopathin hatte kein Problem damit, dass wir zu zweit kommen. Zuerst hatte ich Angst, dass ich mich nicht so richtig drauf einlassen kann wenn noch jemand im Raum ist. Aber das blendete ich recht schnell aus. Die Thematik, an der wir gerade arbeiten ist echt extrem. Die ganzen Schmerzen im Bauchraum sind ja weg, aber nach wie vor habe ich das Problem bzw. das Gefühl als wäre mein Brustkorb total eingeengt und ich kaum Luft bekomme wenn ich in Richtung Angst spüre. Als wäre mein Hals zugeschnürt. 

 

In der Sitzung sind wir auch genau an dieses Gefühl gekommen. Die Energie wanderte immer mehr Richtung Hals. Die Osteopathin zog draufhin meinen Lieblingsmenschen hinzu um mir zusätzlichen Halt zu geben. Das gab mir tatsächlich unheimlich viel Sicherheit und Kraft. So schaffte ich es immer mehr hinzuspüren. Ich fühlte so eine heftige Angst verbunden mit dem Gefühl keine Luft zu bekommen. An Sprechen war kaum noch zu denken. Ich atmete dann mehrmals tief ein. Als ob mein Leben davon abhängt "Luft zu bekommen". Es fühlte sich an, als würde eine Hand meine Kehle zudrücken. Es war so ein reales Gefühl. Ich schaffte es aber weiterhin mich gut um Hier und Jetzt zu halten. Die Energie löste sich auch Stück für Stück ein wenig mehr. Wir sind noch nicht ganz durch...aber einen großen Schritt weiter gekommen. Die zusätzliche Unterstützung war super. Auch wenn es nicht einfach war für meinen Lieblingsmenschen dabei zu sein. Aber gemeinsam bekommen wir das hin. 

 

Ich habe mitgenommen, dass ich nun ATMEN kann wenn die Angst kommt. Ich bekomme Luft!!!!

 

Fortsetzung folgt...