Posttraumatische Belastungsstörung

 

Ein sexueller Missbrauch kann eine Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) zur Folge haben. Diese kann im Erwachsenenalter akut nach der Tat auftreten, als auch langfristig gesehen erst im Erwachsenenalter nach einem Missbrauch in der Kindheit. Ich kann und werde an dieser Stelle nicht umfassend über die Symptome der PTBS berichten. Hierfür gibt es ganz informative Seiten anderer Blogger oder medizinischer Institutionen auf die ich nachher noch hinweisen werde.

 

Ich möchte eher auf die persönliche Erfahrung hinsichtlich dieser Diagnose eingehen. Gerade beim Missbrauch im Kindesalter ist der Zusammenhang zwischen den traumatischen Erlebnissen und einer PTBS nicht immer offensichtlich. Dies führt unter anderem dazu, dass zunächst andere Diagnosen seitens behandelnder Ärzte gestellt werden. Hier kommen in der Regel die Depression oder Persönlichkeitsstörungen in Frage. Mir erging es ähnlich. Die ersten „offiziellen“ Diagnosen gingen auch immer in diese Richtung. Erst 2011, als die ersten Erinnerungsfragmente auftauchten, wurde diese Diagnose gestellt. Der Unterschied, und den habe auch ich erfahren müssen, ist einfach das Behandlungsspektrum wenn bekannt ist, dass eine PTBS vorliegt. Meine vermeintliche Depression wurde anfänglich mit Antidepressiva behandelt. Das war zum Stabilisieren auch sehr gut, half aber ja nun mal überhaupt nicht mit den unbeständigen Gefühlen und Flashbacks klar zu kommen. Nur allein durch die Einnahme von Medikamenten  ist einem bei der PTBS nicht geholfen. Hier kann nur eine effektive Traumatherapie helfen.

 

Für mich ist die PTBS hauptsächlich gekennzeichnet von einem Gefühl der Hilflosigkeit. Wenn ein Mensch in eine Situation kommt, in der die bisher erlernten Handlungsmuster versagen, hinterlässt das tiefe bewusste und unbewusste Spuren.  Anteile dieser Erfahrung werden von der Seele abgespalten und fragmentarisch abgespeichert. Ich habe es mir immer als ein Puzzle vorgestellt. Die Puzzleteile bestehen aus Körpererinnerungen, Gefühlen und bildhaften Erinnerungen. Solange diese Anteile abgespalten sind, wirken sie sich mehr oder weniger stark auf das persönliche Leben aus. Erst wenn diese abgespaltenen Puzzleteile wieder sinnvoll zusammengesetzt werden, ist es möglich weitestgehend Beschwerdefrei zu leben. Hier spielt natürlich der zeitliche Zusammenhang eine große Rolle. Daher sind die Traumatisierungen im Kindesalter deutlich schwerer zu verarbeiten. Hier kommt auch noch zum Tragen, dass sich Traumatisierungen, die in einer vorsprachlichen Zeit entstanden sind, in der Regel sprachlich auch nicht gut formulieren lassen. In solchen Fällen äußern sich viele Symptome auch auf einer körperlichen Ebene, sodass ein Zusammenhang oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich ist. In meinem Fall waren dies z.B. Bauch- und Kopfschmerzen in Verbindung mit Erbrechen im Kindesalter. Später waren es latente Rückenschmerzen bzw. Bandscheibenvorfälle. Aber auch sehr hoher Blutdruck oder Herzstechen hatte ich in den Zeiten vor oder während der Traumabearbeitung. 

 

So individuell wie Traumatisierungen entstehen, so individuell sind auch die Symptome und auch die Behandlungsmethoden.

 

Mir persönlich hat es sehr geholfen mich theoretisch mit dem Thema PTBS und Trauma auseinanderzusetzen. Ich habe durch das Lesen von Fachbüchern festgestellt, dass meine persönlichen Probleme im Grunde „normale“ körperliche Reaktionen darstellen und fühlte mich dadurch deutlich handlungsfähiger.  Die PTBS ist eine vom ICD anerkannte Krankheit und es gibt Behandlungsmethoden, die eine Verarbeitung der Traumatisierung anstoßen können. Diese Informationen halfen mir ungemein bei meinem Heilungsweg.

 

Ich habe kürzlich einen sehr informativen Blog zum Thema PTBS gefunden. Der Autor ist damit einverstanden, dass ich den Blog auf meiner Seite verlinke. Er ist selbst Betroffener einer PTBS und hat viele informative Beiträge zu diesem Thema zusammengetragen: